Band 
Siebenter Band.
JPEG-Download
 

Weil Pelagius in den Wahn gefallen war, dass die Frei-thätigkeit der intelligenten Creatur mit einer Gabe Gottes an sieals einer Mitwirkung (Assistenz) unvereinbar sei, so stellte er dieBehauptung auf, dass diese Gabe (als Gnade Gottes) lediglich nurim (moralischen) Gesetze bestehe. Dieser Irrlehrer hatte nem-lich zwar das Thun des Geschöpfs von jenem des Schöpfers *)unterschieden, aber er gelangte nicht zur Einsicht, dass die in-telligente Creatur auch in ihrem freiesten Thun doch jedesmal aufeine dreifache Weise zugleich von jenem nichtcreatürlichenThun abhängig ist, indem 1) jedem freien Thun der Creatur einschöpferisches vor geht und ihm zum Grunde liegt, als dessenwahrhaftes a priori oder als die Creatur selber anfangend, undvon welchem das Thun der letzteren, unbeschadet dessen Freiheit,welche jenes schöpferische Thun ja erst begründet, nur eine Fort-setzung ist. Indem 2) ein gleichfalls nicht creatiirliches Thun dasfreie Selbstthun der Creatur als Assistenz (Mitwirkung) oderResistenz (Gegenwirkung) begleitet und 3) dasselbe nichtcrea-türliche Thun sich als frei darbietende oder verweigernde Kraft

*) Dieses nichtcreatürliche Thun beurkundet sich der Creatur alsconstitutiv (d. h. als sie selber mit all ihren Vermögen und disponiblenKräften setzend oder entsetzend) dadurch, dass die Creatur ihm directkeine Action entgegen zu setzen vermag, und dieses Thun folg-lich weder selbstisch hervorzurufen, noch sich desselben zu erwehren,sondern im Guten nur selbes zu erwarten und zu finden (anzunehmen), imNichtguten nur zu vermissen und zu leiden im Stande ist. Gemäss demSatze: scimus quia facimus, findet übrigens auch kein Erklären oder Con-struiren dieses schöpferischen Thuns statt.