XVII. Vorlesung.
Nachdem ich in den zwei letzten Vorlesungen bereits jenePrincipien aufgestellt habe, mit deren Hilfe der älteste kirchlicheBegriff von der Eucharistie (als Praescntia realis und Transsub-stantiatio) von allen jenen crassen und materialistischen Vorstel-lungen wieder befreit wird, mit welchen dieser Lehrbegriff früherentstellt, und lange genug eben so unverstanden vertheidigt alsangegriffen ward, — so will ich in gegenwärtiger Vorlesung Ihnenzum Behufe eigenen Nachforschens einige Anwendungen dieserPrincipien noch vorlegen. Ich sage: Ihres eigenen Nachforschens,denn da der Grund des Glaubens hier kein blindes Gefühl, son-dern ein Gewusstes (Gewisses), d. h. ein das Wissensvermögenfrei Bestimmendes ist oder sein soll, so langt man auch hier mitjener hypocrite ignorance- oder mit jener allzeit paraten Maxime:Credi utiliter potest, quaeri utiliter non potest, nicht aus, und manmuss im Gegentheile sagen: credi sincere et firmiter non potest,si non ingenue et rationabiliter quaeritur.
Augustinus definirt das Sacrament kurz und bestimmt mitden Worten: accedit (intrat) verbum ad elementum et fit sacra-mentum, und denselben Begriff stellt J. Böhme auf, wenn ersagt, dass mit dem (operativen und schaffenden) Worte Christi:„ Dieses ist mein Leib &c. “ die ewige Leiblichkeit von Ihm alsTinctur in das Brod einging, ohne von Ihm abzugehen, von wel-cher Mittheilbarkeit eines Substantiellen (Ausgesprochenen) durchdas Sprechen (sermo operativus *) wir ein zwar schwaches jedoch
*) Gott thut indem Er spricht oder Sein Thun ist ein Sprechen. Aberdasselbe gilt auch für den Menschen, falls er sein Wollen und Sprechen