XXIX
sein eigenes Gesetz, und wenn sie auch vermöge dieser Gesetzeund Kräfte miteinander in bestimmte Beziehungen treten könnten,so müssten ihnen diese Beziehungen durchaus zufällig sein, undda die Atome durch diese stets sich verändernden Beziehungenvöllig und absolut unverändert bleiben, so können diese Beziehun-gen und die daraus sich ergebenden Veränderungen oder Erschei-nungen auch nichts weiter als purer Schein sein. Die Atomistikist nicht im Stande, ein reales Geschehen zu begründen, sie istnicht im Stande, die Bewegung als etwas Wahrhaftes und Wirk-liches zu erklären, geschweige das Leben, geschweige den Geist.Ihre Atome sind der absolute Tod und aus dem absoluten Todelässt sich kein Leben hervorzaubern. Nur die erfahrungsmässige,unleugbare Wirklichkeit der Bewegung, des Lebens, des Geistesnöthigt sie, eine zufällige Scheinbewegung anzuerkennen. Dieseist aber nur das Gespenst des Lebens. Die absolute Atomistikverwandelt alles Leben in Gespenst und alles Sein in den ab-soluten Tod. Ihr ist das Universum eine unendliche Streusand-büchse , die zufällig die Beschaffenheit eines Kallcidoscops er-halten hat, welches die unermessliche Zahl der Atome in stetsanderen und allen möglichen Figurationen zeigt. Eine solche todte,lederne, geistlose Ansicht hebt natürlich alle Religion, alle Moral,alles Recht, alle ideale Kunst in der Wurzel auf und müsste inihren Wirkungen, wenn sie allgemein würde, die Menschheit noth-wendig bestialisiren. Wenn das, was in dieser Lehre als dasAbsolute gilt (die zahllosen Atome, also zahllose Absolutheiten),schlechthin unveränderlich, innerlich todt, bewusstlos, geistlos, mitGnem Worte die Urverstandlosigkeit und in diesem Sinne dieUrdummheit selbst ist, wie könnte da je aus diesen dummenDingern wahrhafte Bewegung, Leben und Geist hervorgehen! Dasist die Vollendung des Unsinns des Spinozismus durch Auflösungder Einheit der absoluten Substanz in unendliche Vielheit derSubstanzen oder Substanzlein. Welche Früchte der gesell-schaftlichen Welt aus dem Materialismus erwachsen würden,davon gibt Büchner eine hübsche Frohe in dem Abschnitt seinerSchrift über die angeborenen Ideen, in welchem er die I* rage nachdem Zeitpunct der Beseelung der menschlichen Frucht mit aus-