Band 
Zehnter Band.
Seite
96
JPEG-Download
 

4P*

96

Was nun vorerst den Begriff des Bebens und des Todesbetrifft, so statuirt die S c lt ri f 11 e li r e die Wirklichkeit und alsodie Möglichkeit des Zumvorscheinkommens eines ewigen Lebens,wogegen die Naturphilosophen zwar ohne Beweis die Be-hauptung aufstellen, dass alles Leben nur als räumlich - zeitlichgebundenes, sohin als niebtewiges in die Erscheinung treten, so-mit von jenem ewigen Leben gar nicht die Rede sein könne.Die Schrift anerkennt aber eine Triplicität des Lebens, indemdieselbe das unauflösliche, göttliche Leben sowohl vom auflös-lichen, zeitlichen, als von dem in der Auflösung seiendeninfernalen Leben (dem lebendigen Tode) unterscheidet. Wennnemlich Paulus das göttliche Leben das absolut unauflöslichenennt (womit derselbe die schlechte monothelistische und mona-dologische Vorstellung der Einfachheit des Lebens als innereLeerheit zurück weiset), so unterscheidet der Apostel dieses un-auflösliche Leben als das göttliche par excellence, weil es Gottnicht von Sich weggeben und der Creatur anerscliaffen, wohlaber diese desselben theilhaft machen kann, so wie sich diesesgöttliche Leben in der Creatur von dem creatürlichen Leben imengeren Sinne des Wortes, selbst dann unterscheidet, wenn beideunauflösbar miteinander verbunden sind, wie z. B, das Kind vor-erst nur die Frucht der Substanz der Mutter ist, aber, so wiesein Herzleben beginnt, zum Kind des Herzens dev Mutter wird- Wesswegen es auch nur vom Menschensohn (welcher zugleichGott ist) heisst, dass ihm die Macht gegeben sei, das Leben > nsich selber zu haben, welche Macht mit jener zusammenfällhselbes frei zu lassen und wieder zu nehmen. Ferner ist in Be-treff des Schriftbegriffs von dem in der Auflösung seienden Lebet*zu wissen, dass hiebei weder von einem Abgang noch von einemZugang der constitutiven Elemente des Lebens die Rede ist, a °wie dass die Schrift bei jenen Creaturen, welche nicht aus de*zeitlichen Natur urständen, diese Auflösung keineswegs als radicaloder als Vernichtung gelten lässt, sondern nur bis zur indiV'duellen (indivisiblen) Wurzel desselben als gleichsam bis zu* 0geistigen Knochengerippe gehend, wogegen die Naturphilosophc 11von einer solchen Wurzel nichts wissen, und die Individualit®*