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Kapitel VI.
Beobachtungen wirklich genau der war, welchen Littrowangiebt, das muss vorläufig noch dahingestellt und weitererUntersuchung Vorbehalten bleiben.
§. 5. Fürs Erste scheint es nun allerdings auch voll-kommen richtig zu sein, dass man sich nicht damit begnügte,in jedem einzelnen Falle den Monatsanfang durch blosse Zeugen-vernehmung festzustellen, sondern dass man auf diese letztereauch eine Art von Berechnung zu gründen bestrebt war, seies auch nur als Präventivmassregel, um bei Ausnahmefällen,wo aus irgend einem Grunde keine Zeugen aufzutreiben waren,doch einen eimgermassen sicheren Anhaltspunkt zu besitzen.Hiezu brauchte man nur, meint Schwarz 12 ), „dieDistanzen derMeridiane, unter welchen zwei aufeinanderfolgende Neumondein der Abenddämmerung beobachtet wurden, genau zu kennen,um die Dauer des einen oder anderen Monates präzise zu be-stimmen, und nach einer Reihe von solchen Beobachtungen,die Summe der aufgezeichneten Tage, Stunden u. s. w. durchdie Anzahl der Monate zu dividiren, um die Länge des Mo-nates zu erfahren“.
Nun könnte man vielleicht geneigt sein, diese Thatsachenmit dem zweiten Theile des Littrow’schen Ausspruches zuidentifiziren und so auch diesen zweiten Theil als historischerwiesen zu erachten. Dem lässt sich jedoch zweierlei mitallem Fug entgegenhalten. Einmal nämlich ist von einer eigent-lichen Berechnung, bei welcher auch der wechselnde Standvon Sonne und Mond mit berücksichtigt wäre, nicht im Ent-ferntesten die Rede — im Gegentheile, die Sache ist so einfach,dass der Ausdruck*,,Berechnung“ kaum auf sie passt. Han-delte es sich doch eigentlich nur darum, aus Sj . . . s„ gemes-senen Monatslängen das arithmetische Mittel gleich
herzuleiten. Und zweitens wird es doch wohl nicht gestattetsein, einem solchen Verfahren den Ehrentitel eines „induktiven“beizulegen. Nach der Definition des kompetentesten Richtersauf diesem Gebiete, Stuart Mill 13 ), ist „Induktion dasjenige
12) Schwarz, S. 15. 13) Schiel, Die Methode der induktiven For-
schung als die Methode der Naturforschung in gedrängter Darstellunghauptsächlich nach John Stuart Mill, Braunschweig 1865. S. 13.