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2 (1854) Die Lehre vom Gebrauche der Artillerie : zweiter Haupt-Abschnitt der allgemeinen Artilleriewissenschaft / bearbeitet durch F.W. Scheuerlein
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dazu erbaute Tranchee hat den Namen der Parallele hervor-gerufen, weil dieselbe in gleichem Abstände von den vorsprin-genden Spitzen der Befestigungsanlagen den angegriffenen Theilder Festung umfaßt.

Die frühere Circum- und Contravallation hat nichts mitden heutigen Parallelen gemein, denn sie war nichts als einesowohl gegen Entsatzversuche, als gegen die Ausfälle des Ver-theidigers verschanzte Umlagerung des Platzes in einem gegendas Feuer desselben geschützten Abstände, also lediglich eineSchutzmaßregel des Belagerers, aus welcher er mit seinemAngriff gegen die Festung verbrach, wo und wie es ihm gut-dünkte. Es gehört nicht hierher, über diese verschanzte Um-gürtung gegen den Entsatz und die Festung, über die frühernAngriffömethoden und über die heutige Parallelenmanier Be-trachtungen anzustellen; dieß ist ein Gegenstand der historischenUntersuchung und wir müssen uns hier mit der Ansicht befrie-digen, daß die verschiedenen Angriffsmanieren aus den herr-schenden Ansichten und Verhältnissen der Kriegführung, der An-griffs- und Verthcidigungömittel hervorgingen, zu ihrer Zeitden Zweck erfüllten und daß es eine müßige Spekulation ist,sich mit den neuern Marimen und Mitteln in die abgestorbenenVerhältnisse zurück zu schmuggeln.

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-Schluß des Kapitels.

Wir haben die Festung, in den vorangegangenen alsVertheidigungsstellung, d. h. als taktisches Element, besprochen,sodann als Gefechtselement, d. h. in Bezug auf ihre Gefechts-kraft, wir haben hierauf die Gesetze für ihre Gefechtsbereitschaftentwickelt und hieraus die natürlichen Gefechtsstadien abgeleitet,welche der förmliche Angriff durchlaufen muß, um jene Gefechts-bereitschaft und deren Nahrungsquelle, die Gefechtskraft derFestung vollständig zu erschöpfen und zu überwinden. Wir