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Entfernung der Gesteinstheile durch Wasser.
Stoff gering sein, so ist die Masse im Ganzen doch beträchtlich, haupt-sächlich, wenn wir die Veränderungen in Betracht ziehen, welche Ge-steinsniassen aus dieser Ursache allein, während des Verlaufs irgendeiner geologischen Zeit, erfahren haben müssen, und die Verhältnissedie Entfernung löslicher Materien von einer gegebenen Masse derselbenerlaubt haben.
Mit der Fortführung von Kalk, in der Form einer Verbindung mitKohlensäure, sind wir vertraut. Durch den Verlust des Ueberschussesan Kohlensäure, der ihn in Löslichkeit erhielt, wird der Kalk in ver-schiedenen Gestalten niedergeschlagen, und zwar entweder als einfacheIncrustation über Pflanzenstoffen oder über Steinen oder Felsmassen,zwischen denen oder über welche er fliesst, oder selbst in der Gestaltvon harten und dichten Kalksteinen, von welchen einige unter günstigenUmständen eine krystallinische Form annehmen, wie man es so häufigbei den schönen Stalactiten und Stalagmiten mancher Kalksteinhöhlenwahrnimmt. Es ist ein sehr gewöhnliches Vorkommen in Kalkstein-districten, dass Stücke von Kalksteinen, welche durch atmosphärischeEinflüsse von der Felsmasse losgetrennt wurden, durch solchen kohlen-sauren Kalk wieder in eine feste Breccie verkittet sind. Breccien die-ser Art findet man vielfach auch aus älterer Zeit unter den Kalksteinenverschiedener Formationen, so namentlich des Muschelkalks und desUebergangskalks in Deutschland.
In den Kalkdistricten unter den Tropen, wo die Verdunstung vielrascher als in den gemässigten Klimaten vor sich geht., kann man dieAblagerung von kohlensaurem Kalk oft mit grossem Vortheil studiren.Heftige Regengüsse, die in eine üppige Vegetation fallen, deren zer-störte Theile die nöthige Kohlensäure liefern, führen die letztere mitsich zwischen die Fugen, die Klüfte und in die Höhlen des Kalksteins,kohlensaurer Kalk wird aufgenommen, und wenn die Gewässer wiedermit doppelt kohlensaurem Kalke beladen hervordringen und einer tro-pischen Sonnenhitze ausgesetzt werden, bilden sich in den seichten undruhigen Theilen der Ströme Incrustationen und durch den verändertenLauf des Wassers können selbst Bäume eingehüllt werden, wie mandies sehr schön an der nördlichen Küste von Jamaica an dem Iioaring-flus.se sieht, dessen Wasser viel doppelt kohlensauren Kalk enthält undnach einem Wasserfall schäumend durch einen Wald fliesst, wo die un-teren Theile der Bäume mit kohlensaurem Kalk eingehüllt werden unddas Wasser seine Richtung verändert, wenn neue Anhäufungen es zurVeränderung seines Laufes zwingen.
An dem Fuss der Muschelkalkhügel in Würtemberg sieht man ausgleichem Grunde an vielen Orten Kalktuff oder Kalksinterbildungen inmächtigen Ablagerungen, die darum auch technisch wichtig sind, weilder kohlensaure Kalk in ihnen viel reiner ist, als in den Kalkbergen,aus denen er ursprünglich ausgelaugt wurde.