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Erhebung und Senkung der Küste bei Puzzuoli
kung des Landes genau von seiner plötzlichen Erhebung oder Senkungwährend eines Erdbebens unterschieden wird.
Was ein kleineres Areal in einem vulkanischen Districte betrifft)welches Niveauveränderungen während der historischen Periode zeigt)so liefert ein Thcil der Bucht von Bajä bei Neapel Beweise davon-Es ist nicht ganz ausgemacht, ob diese Veränderungen mehr oder we-niger plötzlich oder allmälig und, während einer ziemlich langen Zeitanhaltend gewesen sind. Blickt man auf die Art des betroffenenLandes, so widersprechen die Thatsachen nieht einer bisweilen langsa-men, bisweilen plötzlichen Veränderung des Niveaus. Der Tempeldes Jupiter Serapis bei Puzzuoli bietet Anhaltspunkte in Bezug aufdie wahrscheinliche Zeit, in welcher die Niveauveränderungen stattge-funden haben. Die Ilauptthatsache ist, dass drei etwas mehr als vier-zig Fuss lange Marmorsäulen, die nicht mehr ganz senkrecht stehen)bis zu der Höhe von 12 Fuss glatt und unverletzt sind, über welchersie auf eine Länge von neun Fuss von Lithodomus, einer in dem Mit-telländischen Meere gemeinen und noch lobenden Bohrmuschel, ange-bohrt sind. Der Rest der Säulen, die alle in derselben Höhe die-selbe Erscheinung zeigen, bietet nur die gewöhnlichen Wirkungen at-mosphärischer Einflüsse. Auf dein Boden des Tempels befinden sichandere zerbrochene Marmorsäulen, die an einigen Stellen angebohrtsind, und zwar einige nicht nur äusserlich, sondern auch an dem Quer-brache. Aus diesen Thatsachen hat man den Schluss gezogen, dassdie unteren Theile der Säulen durch irgend eine Ablagerung währendeiner Versenkung unter dem Meere beschützt waren, wobei die Säule 11aufrecht oder beinahe aufrecht standen, während die Theile darüberangebohrt wurden und sich folglich in hinreichend reinem Wasser be-fanden , so dass die Thiere darin leben, bohren und ihre Nahrung er-halten konnten. Der Rest befand sich über dem Meere oder war blossbis zu einer Tiefe eingetaucht, unterhalb welcher die Bohrmuscheln g e "wohnlich leben. Dies setzt voraus, dass der Tempel auf festem Landgebaut war, dass er sich zwischen zwanzig bis dreissig Fuss unter da 3Meer senkte und sich später wieder zu seiner jetzigen Höhe erhob, 9 °dass der Boden des Tempels etwa einen Fuss unter dem Hochwasser-Stande der geringen Gezeiten der Bucht von Neapel sich befindet. A IlSverschiedenen Umständen folgert Lyell hinsichtlich de3 Bodens, 10welchem die Grundmauern des Tempels ruhen, dass zuerst ungefäl' 1,80 Jahre vor der christlichen Zeitrechnung, als das alte Mosaikpflaste rverfertigt wurde, derselbe sich ungefähr zwölf Fuss über seinem jetzi-gen Niveau oder demjenigen, in welchem er im Jahre 1838 stand, be-fand ; zweitens, dass er am Schluss des ersten Jahrhunderts unser erZeitrechnung nur sechs Fuss über seinem jetzigen Niveau war; drdtens, dass er sich am Ende des vierten Jahrhunderts beinahe bis zu sel ^nem jetzigen Niveau gesenkt hatte; viertens, dass er im Mittelalter « n