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11 (1850) Franz von Baader's Tagebücher aus den Jahren 1786 bis 1793 / herausgegeben von Emil August von Schaden
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zusammenlesen, wittern, ahnen müssen, und auch das nur ver-möge ihres Geistes, der in allen Menschen wohnt, zu Standebringen können. Bedarf es mehr als der Erfahrung, die dochJeder von uns alle Augenblicke in und an sich machen kannund muss, und wirklich alle Augenblicke macht, um über einDing völligen Aufschluss zu bekommen, wonach sie ohne Selbst-beachtung in Büchern umsonst suchen würden. Sie mögen nunUrtheilen, ob mich Ihre Erklärung befriedigen kann. In meinemGehirne geht eine Bewegung vor. Bewegung! »Alle Aen-derung, Einwirkung in der Natur (Seele, Universum) geschiehtnur durch Bewegung. So liest man in einer Menge von Schrif-ten, und dieser Ausdruck ist doch so sehr unbestimmt, kann garleicht missgedeutet, missverstanden werden, und wird es auch.»Alle Einwirkung, Aenderung in der Natur offenbart sich uns(Zuschauern) durch Bewegung, sollte es heissen, obwohl auchdieser Satz noch nicht allgemein gilt, denn was das Wesen derEinwirkung zweier Wesen betrifft, so sind wir ja nach gesehenerBewegung so klug, wie zuvor. Also: wenn Sie oder wer immerausser mir so scharf sehen, so werden Sie in meinem Gehirnezur Zeit, wo meine Phantasie mir Gespenster vormalt, und ichdenke, es seien wirklich solche, eine Bewegung feiner Fasernsehen, die Wirkung des Geistes in mir offenbart sich in Ihnendurch Bewegung! Das innere Leben, das wirkende Principiumin dieser Bewegung können Sie nicht sehen, aber wohl mit IhremGeiste wahrnehmen!! Sie also von aussen sehen Bewegung,dürre Erscheinung weiter nichts. Wollten Sie mir nun aber'Weiss machen, ich sähe keine Gespenster, so würde ich Ihnennnter die Nase lachen. Heisst denn das etwas erklären? Wasalso im Geiste des Menschen, in seinem eigentlichen Inneren ist,Vv eiss nur er selbst*).

*) Es ist in einer früheren Anmerkung gezeigt worden, welchenEinfluss der Kantische Gegensatz des Dinges an sich und der synthetisch"'ahrnehmbaren Form der Dinge auf den jugendlichen Geist Baaders nochaosübte. In dem vorliegenden Gespräche über Gespenster, dessen osten-der Gegenstand Nebensache ist, dessen psychologische Untersuchungenseinen wesentlichen Kern bilden, werden dagegen Entwicklungen gegeben,