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Bemerkung jedem gesunden Schlaf unmittelbar vorhergeht), einZustand, welcher gefällt und in welchem man gerne bleibenmöchte, ob er gleich nichts Scharfreizendes mehr an sich hat.Unselig ist Jeder, der nur noch an hautgout Vergnügen findet! —Die Seele ist sich dessen, was sie empfindet, nicht mehr deutlichbewusst und gibt sich keine Mühe, lebhaft zu empfinden. SieheSulzer S. 129. Vergl. Herder B. II. S. 139.
Seliger Zustand! Wie gerne glaubt man in ihm sich undAnderen 1
Nun da ich dieses Zustandes geniesse, sehe ich auch Allesin einem milderen Lichte. Geist- und Thierseele haben nun wie-der Frieden mit einander gemacht, oder vielmehr beide sind müdeihres Kampfes! Die weisse und die braune Seele,*) jede scheintmit der anderen zufrieden! Ein Hausfrieden, von dem ich nurwünsche, dass er lange dauern und wenigstens den bei weitemgrösseren Theil meines Erdenlebens ausmachen möge! —
Den 17. April.
Ich las heute Morgen im Freien Wieland „ an Psyche. “ **)Welche süsse, himmlische Gefühle wachten in mir auf! LeiseAhnungen eines — verlornen, oder künftigen? — Edens. ***)Man mag das nun Schwärmerei, Träumerei etc. nennen: genug,sie sind mir da, waren da, und ich brauche nur ruhig, stilleund unverdorben zu bleiben, so werden sie wieder kommen in
*) ’Eotxetcu Sij (seil. 7] 'tuyfj} Supcpü™ Soväpsi üitoitTepou £eüyous re xalTjvioyou. &eßv pev oov raitoi tc xal ^vtoyoi itavrsc aüvol ts äya&ol xal e£äpaftüv, tÖ ob tcüv a/./.mv pepixrai. xal npüVrov pev 'ijpajy b apywv JuvioptSo;rynbysi, elra tü>v üuiccnv b pev autai xaXo; ts xocpaOos xal ex toioutidv, o obi$ ivavTicüv ts xal evavTios. Plato Phaedrus. p. 246 A. u. B., dann p. 253 C.und p. 254 E. D. H.
**) Wieland’s Werke, herausgegeben von Gruber. Leipzig. Göschen.1818—28. Bd. 49. S. 230 — 238. D. H.
***) Von dieser Stelle an beginnen die ethischen und religiösen Be-trachtungen des jungen Baader eine immer entschiedenere und ausge-sprochenere Richtung auf das Positive und Historische in der Religion zunehmen. Zufolge der kurz vorangegangenen Stelle über das Gebenund Nehmen, Handeln und Empfangen unseres Geistes kann dies gar nichtanders sein. D. H.