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über das Wesen der Pflicht aufzuklären, verdüstern und’entstellenwir ihren Begriff täglich hundertmal, indem wir ihn mit allenmöglichen Motiven, mit wirklichen oder eingebildeten Strafen,Versprechungen und Belohnungen auf die wunderlichste Weisebelasten. Die Folge hievon konnte nur sein, dass wir eine grosseAnzahl künstlicher Pflichten schufen, welche in der That nurLaster, und eine nicht geringere Menge künstlicher Laster, welchein der That nur Pflichten und Tugenden sind. Dann aber wennwir, von diesem unermesslichen Gewicht überwältigt, den erfolg-losen Kampf des natürlichen Sinnes für Recht und Unrecht inuns oder Anderen wahruehmeu*), dann nehmen wir eine weiseMiene an und sprechen ironisch oder sentimental: Ecce hominem!
An dieser Stelle bricht Baader’s treffliche, für das EnglischePublicum bestimmte Abhandlung über die Kantische Philosophieab. Zwar folgt noch ein einundzwanzigster Parapraph und derAnfang eines zweiundzwanzigsten nach, und beide sollen, soweit sie noch vorhanden sind, den vorangegangenen sechszehnParagraphen alsbald angereiht werden. Denn es ist in beidenzu viel Richtiges, auch auf die sittliche (oder unsittliche) Gegen-wart Anwendbares enthalten, als dass wir dasselbe dem Leserentziehen zu dürfen glaubten. Aber es fehlen nicht nur dieParagraphe 17, 18, 19 und 20; sie scheinen vielmehr wie Das,was nach dem Anfang des zweiundzwanzigsten Paragraphen folgensollte, gar nicht zur Ausarbeitung gekommen zu sein. Den Be-weis für diese Annahme liefert, dass sich im Baaderisclien Manu-script zwischen dem sechszehnten und einundzwanzigsten Para-graphen zwar eine Reihe deutscher wie englischer Notizen undBemerkungen so wie auch zahlreicher Citate aus Kant’s Schriftenallerdings vorfindet, nirgends jedoch ein Zusammenhang dieseroft kaum ausgeschriebenen Worte und Sätze wahrzunehmen ist.Hieraus aber erhellt unbestreitbar, dass diese ganze Masse fast
*) Unter diesen Gesichtspunkten werden wir immer in Verlegenheitsein, ob wir über den Menschen lachen, oder weinen, oder ihn verachtensollen, niemals aber ihm zu helfen wissen. Denn das Gute und Rechtekann nur wachsen und werden: mosaikartig zusammensetzen lässt essich nie.