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Die Armee in der Bewegung : I. Innere Anordnungen, [II. Hindernisse der Bewegung] : mit 8 Tafeln und Plänen / [Josef Gallina]
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Die Armee in der Bewegung.

6 .

Im Allgemeinen wird es beim Zusammenstosse mit feindlicherUebermacht genügen, wenn der Colonnen-Commandant das Vorrückendes Gegners entsprechend verzögert, eine möglichst vortheilhafteStellung zu gewinnen trachtet und in dieser das Herannahen vonVerstärkungen abwartet.

Die NothWendigkeit, sich in einer haltbaren Stellung behaup-ten zu sollen, ergibt sich daher vorzugsweise nur für Theile einer imEchiquier sich bewegenden Armee, welche durcli zeitweiligen Wider-stand den übrigen Colonnen die nöthige Zeit zu ihrer Versammlung(siehe Episode aus dem Feldzuge 1807, Verhalten des Marschalls N e y)oder auch zur Entwirrung der Theile bei Stockungen, namentlich imRückzuge, verschaffen soll.

Für solche Stellungen oder vielmehr Haltpunkte muss wohl dieganze Stärke nur im Terrain gesucht werden; denn unter den be-rührten Verhältnissen wird man selten die Zeit finden, um fortifi-catorische Mittel, die nur einigermaassen umfangreich sind, in An-wendung zu bringen.

Einzelne Divisionen bis zur Stärke eines Armeecorps werdenauf allen Hauptrouten, die bei Armeebewegungen benützt werden,fast überall leicht zu haltende Defensivstellungen finden.

Der Widerstand, den in solcher Weise blos eine einzelne Colonneleistet, wäre aber sogleich paralisirt, wenn es einer feindlichenNeben-Oolonne gelänge, eine ihr gegenüber befindliche, die im Ter-rain keinen Halt hat, zurückzudrängen. Der Feind käme dadurch zudem Vortheile, die in der Stellung sich behauptende Colonne ent-weder in der Flanke oder mit Umgehung derselben auch im Ruckenbedrohen zu können. Solche Haltpunkte sind mithin vorzugsweise beijenen Terrainhindernissen zu suchen, welche im Zusammenhängedie Marschrichtung mehrerer Colonnen durchschneiden. Dies isthauptsächlich bei Wässern der Fall, die ohne Brücken nicht zu pas-siren sind.

Die Absicht, Zeit zu gewinnen, lässt sich übrigens auch er-reichen, wenn man von einer Stellung in eine andere zurückweicht.Der Gegner wird dadurch genötnigt, sich jedesmal erneuert zu ent-wickeln, zu recognosciren oder selbst Verstärkungen abzuwarten,welcher Zeitaufwand den eigenen, in der Concentrirungsbewegungbegriffenen Heerestheilen zu Gute kommt.