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Die Armee in der Bewegung.
abwärts zu umgehen, was aber immerhin Zeitverlust nach sich zieht.Weitere Nachtheile jedoch hätte der Angreifer nicht zu besorgen, auchwenn die Umgehung auf grosse Entfernung ausgeführt würde, weil demVertheidiger die Mittel fehlen, dem geschlagenen und wieder über denFluss zurückgeworfenen Gegner den Rückzug zu verlegen oder über-haupt nachzufolgen.
Angenommen, eine Armee E sei aus Italien über Laibach, Fünf-kirchen, Bata bis hinter die Donau im Rückzuge begriffen und Szege-din ein verschanztes Armeelager, mithin ein Replipunkt, und eshätte auch die feindliche Armee F diese Richtung eingeschlagen undFünfkirchen bereits erreicht (Fig. 27, Taf. K).
Die kürzeste oder die geographische Operationslinie für beideArmeen führt bei Bata über die Donau. Dieser Punkt ist somit auchdie wichtigste Uebergangsstelle.
Die Armee E, die sich auf Szegedin stützt, wird ihre Hauptkraftzunächst Baja concentriren müssen, wenn sie der Armee F den Donau-übergang zu verwehren beabsichtigt.
Ist Bata nicht befestigt, so kann der Gegner F bei Tolna oderauch noch nördlicher bei Paks die Donau passiren, um die Forcirungdes Ueberganges bei Bata zu vermeiden.
Würde auch F wieder zurückgeworfen, so könnte die Armee E,im günstigsten Falle, mit Benützung der feindlichen Brücken denselbenblos directe verfolgen.
Hätte aber die Armee F bei Bata den Uebergang durch einendoppelten Brückenkopf gesichert, so dürfte der Feind F diese Umgehungnur dann unternehmen, wenn er eine grosse Uebermacht besässe; denner müsste unbedingt ansehnliche Kräfte vor dem Brückenköpfe zurück-lassen, daher sich theilen, wollte er nicht während der Ausführung derUmgehung durch einen Ausfall aus dem Brückenköpfe im Rücken vonseiner Verbindungslinie abgeschnitten werden.
Trifft die Richtung der Operationslinie schräg aufjene des Flusslaufes, wie in Fig. 28, so mindern sich die Vor-theile für den Vertheidiger.
Je spitzer nämlich der am Durchschnittspunkte X entstehendeWinkel entfällt, desto unbedeutender wird der Umweg, welchen derAngreifer zu machen hat, um die vom Gegner besetzte Fluss-strecke ab zu umgehen, und desto geringer wird auch die Gefahr, dieVerbindungslinie zu verlieren; vorausgesetzt, dass der Angreifer dieUmgehung in jener Flussstrecke vornimmt, die mit der Operationslinie