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15 v. Chr. die raetischen Alpen; 14 v. Chr. die Seealpen; ungefähr um die-selbe Zeit büfsten auch die cottischen Alpen ihre Unabhängigkeit ein, wennsie auch formell erst unter Nero annektiert wurden.
Nachdem so die Körner in der Unterwerfung der Apenninenhalbinselüberall deren natürliche Grenzen erreicht hatten, nahm Augustus eine voll-ständig neue Einteilung vor, indem er Italien in 11 Verwaltungsbezirke(Regionen) schied, zu denen als zwölfter die eigentliche StadtRom trat. Dieerste Region umfafste Campanien und Latium; die zweite Apulien undCalabrien; die dritte Bruttium und Lucanien; die vierte Samnium, dasFrentaner-, Marser-, Vestiner- und Sabinergebiet; die fünfte Picenum; diesechste Umbrien; die siebente Etrurien nordwärts bis zum Macra undder Wasserscheide der Apenninen; die achte Gallia Cispadana unter demNamen Aemilia, ein Name, der von der via Aemilia abgeleitet wurde,die 187 v. Chr. vom Konsul Aemilius Lepidus von Ariminum nach Pla-centia geführt worden war. Die neunte Region umfafste Ligurien, nord-wärts vom Po begrenzt; die zehnte Venetien und Ilistrien, letzteres ohneden schmalen Streifen östlich vom Arsiaflufs; die elfte bildete das bisherigeGallia Transpadana, jetzt Italia Transpadana genannt.
Zu Seite 10 und 12.
Die römischen Fora. Plan des alten Rom.
Die Stadt Rom ist in unbekannter Vorzeit am linken Ufer des Tiber ander Stelle gegründet worden, wo der Flufs für Seeschiffe fahrbar zu werdenbeginnt; nach der Lokalsage erfolgte die Gründung, die auf den 21. April 753v. Chr. gelegt wird, auf dem Palatinushügel durch die dem Königsgeschlechtvon Alba Longa entstammenden Zwillingsbrüder Romulus und Remus. Gegen-über der neuen Ansiedlung auf dem etwas nördlicher liegenden Quirinalis-hügel befand sich eine sabinische Gemeinde, die nach der Sage schon zurZeit des Romulus, jedenfalls sehr früh, mit den Latinern auf dein Palatinuszu einem Gemeinwesen verschmolz. Dabei wurde der in der Mitte zwischenbeiden Hügeln liegende Platz teils als Versammlungsort für gemeinsame Be-ratungen (Comitium), teils als Markt- und Gerichtsplatz (Forum) bestimmt.Auf dem dieses Thal von Westen beherrschenden Capitolinushügel ward dieBurg der nach der Vereinigung erheblich vergröfserten S'tadt errichtet. Einefernere, wesentliche Erweiterung Roms erfolgte im 7. Jahrh. v. Chr. durchdie Einwanderung von Etruskern, die am Ost- und Südostende derselben aufdem M. Coelius ihren Hauptsitz aufschlugen, die ganze Stadt unter sichbrachten, und unter den Königen Tarquinius Priscus, Servius Tullius undTarquinius Superbus etwa 120 Jahre lang beherrschten. Servius war es, derdurch eine grofse Mauer, die so gezogen wurde, dafs für weitere Vergröfse-rung der Stadt reichlich Raum blieb, das ganze besiedelte Terrain umschlofs;den Janiculus auf dem rechten Tiberufer hatte bereits König Ancus Marcius,der unmittelbar vor Tarquinius Priscus regiert hatte, befestigt.
Auch auf die Verschönerung der Stadt erstreckten die Könige jenerPeriode ihre Fürsorge. Tarquinius Priscus liefs durch einen grofsartigenSchleussenbau die Sümpfe zwischen Capitol und Palatin austrocknen; auf demCapitol selbst begann er den Tempel des Iupiter, der Juno und Minerva;zwischen dem Aventin und Palatin legte er den Circus Maximus an. Aufder Südseite des Forum erhoben sich ständige Kaufhallen (sub veteribus),denen später solche auf der Nordseite folgten (sub novis).
Dieser Periode mächtigen Aufblühens unter dem Scepter der stammes-fremden Tarquinier machte die Vertreibung der letzteren 509 v. Chr. einEnde. 388 v. Chr. fiel Rom mit Ausnahme des Capitols in die Hände derGallier, die dasfelbe 7 Monate besetzt hielten, und, wenn auch nicht ganzniederbrannten, so doch hart mitnahmen. Der Censor Appius ClaudiusCsecus, dessen praktischem Sinne der römische Staat so vieles verdankt, warder erste, der 312 v. Chr. mittels einer Wasserleitung, die er nach den nahenBergen führte, die Hauptstadt mit besserem Trinkwasser versorgte. Die Er-richtung kunstreicher Gebäude aber hat die ältere und mittlere Republik sehrvernachläfsigt; die Tempel des Saturn (491 v. Chr. errichtet, zugleich Auf-bewahrungsort der Staatskasse), der Concordia und der Dioscuren sind dieberühmtesten Werke, die sie hervorgebracht hat.
Nach allem, was uns überliefert ist, machte Rom noch in dem Kanni-balischen Kriege einen keineswegs grofsstädtisclien Eindruck. Die öffent-lichen Gebäude zeugten vielfach von unausgebildetem Geschmack; die Privat-häuser waren armselig, meist von Fachwerk oder Lehm; die Straisen unge-pflastert, Nachts ohne Beleuchtung, und so enge, dafs ein Verbot erlassenwerden mufste, dafs die Bürger innerhalb der Stadt in Wagen fuhren. Erstseit dem 2. Jahrhundert v. Chr., seit der Niederwerfung von Karthago undAchaia ward allmählich Wandel geschaffen und Rom teils mit prunkvollerenGebäuden, teils mit geraubten Kunstgegenständen geschmückt. Zugleichwurde, da ein auswärtiger Feind nicht mehr zu fürchten war, der Kreis der ser-vianischen Mauer überschritten, und aufserhalb derselben Quartiere errichtet.Bald fingen die höheren Beamten, Aedilen und Censoren an, ihre Ehre dareinzu setzen, durch Errichtung prächtiger gemeinnütziger Bauten ihre Namenzu verewigen; zumal das Marsfeld, das Forum, das Capitol und die Gegendenrings um diese Örtlichkeiten herum wurden geschmückt.
Am meisten hat für die Verschönerung Roms die Zeit des Caesar undAugustus geleistet. Allein unter der Regierung des letzteren wurden teilsvom Kaiser selbst, teils in seinem Aufträge errichtet: Die Curia Julia amComitium; ein Apollotempel auf dem Palatin, ein Tempel des Caesar amForum; das Lupercal, eine Säulenhalle an der Stelle der altenPorticus Octavii,das Pulvinar am Circus Maximus; der Tempel des Jupiter Feretrius und Ju-piter Tonans auf dem Capitol, der Tempel des Quirinus; die Tempel derMinerva, der Juno Regina und des Jupiter Libertas auf dem Aventin; derTempel der Laren auf der Höhe der Via sacra; der der Penaten auf der Velia;der Tempel der Juventus und der der Magna Mater auf dem Palatin. DasForum Julii und die Basilica Julia wurden von Augustus vollendet; als dieletztere bald darnach abbrannte, wurde sie prächtiger als vorher aufgeführt.Auch der Tempel des Mars Ultor, das Forum des Augustus, das Theater desMarcellus, das Mausoleum sind Werke des Kaisers (Mon. Anc. 19 — 21); vonseinem Schwiegersöhne Agrippa wurden die nach diesem benannten berühmtenThermen, das Pantheon u. a. gebaut. 82 Tempel rühmt sich Augustus inseinem sechsten Konsulate renoviert und verschönert zu haben. Er sorgtefür eine gute Strafsenpolizei, für ausreichenden Feuerwehrdienst und teiltedie Stadt der leichteren Verwaltung halber in 14 Regionen ein. An allenEnden erhoben sich kostbare Privatpaläste, oftmals von griechischen Künstlernaufgeführt; kein Wunder, dafs die Autoren jener Zeit den Reichtum und dieSchönheit Roms bereits bewundernd rühmen, obgleich es naturgemäfs Quar-tiere gab, in denen die alten winkligen Strafsen noch fortbestanden. Fast
vollständig neugestaltet ward die Stadt unter der Regierung des Nero, als64 v. Clir., wie es hiefs auf Veranlassung des Kaisers, ein Brand ausgebrochenwar, der über 10 der 15 Regionen sich erstreckte, und drei vollständig inAsche legte. Jetzt wurden die Strafsen durchgängig breiter und regelmäfsigerangelegt; jetzt wurden die Häuser auch der mittleren und unteren Klassendurchgängig modern und solider aufgeführt. Nero selbst baute auf einemungeheuren, durch den Brand frei gewordenen Komplexe, der vom Palatinus-hügel bis zum Esquilinus sich erstreckte, für den eignen Gebrauch das so-genannte „goldene Haus“, das mit grofsen Gärten, künstlichen Seen u. s. w.versehen war. Auch die Flavier haben manches für Rom gethan. Sie zer-störten das „goldene Haus“ und verwandten den Raum für öffentliche Ge-bäude; so errichtete Vespasian das Theatrum Flavium an der Stelle einesSees; Titus seine Thermen an der Stelle des eigentlichen Grundgebäudes,aufserdem schmückte Titus die Velia mit einem Triumphbogen zur Feier seinesSieges über die Juden. Unter den Monumenten der späteren Zeit sind haupt-sächlich die Trajanssäule zu nennen mit ihren entzückend schönen Reliefs,die die Feldzüge des Kaisers gegen die Dacier und deren Unterwerfung dar-stellen, das Mausoleum des Hadrian; die Säule des Marcus Aurelius mitReliefs, die dessen Markomannenkriege wiedergeben; der Triumphbogen desSept. Severus, einstens mit einem ehernen Sechsgespann geschmückt, auf demder Kaiser mit der Göttin Victoria, die ihn mit einem KPanze schmückte,stand. Von den Bauten des Caracalla sind hauptsächlich die Thermen zurühmen, die dieser Fürst im Süden der Stadt errichtet, die durch ihre Prachtund die technische Vollendung ihrer Konstruktion in hohem Mafse sich aus-zeichneten. Kaiser Aurelian umschlofs Rom, erschreckt durch einen Einfallder Alamannen in Italien, mit einer neuen hohen, festen Mauer, die alle 14Regionen umfafste, und im wesentlichen noch heute erhalten ist. AuchDiocletian und Maxentius bauten Thermen, beide auf dem Quirinal, von denendie ersteren durch ihren grofsen Umfang sich auszeichneten: über 3000Menschen konnten gleichzeitig in ihnen baden. Von Maxentius stammt aucheine Basilica auf der Velia her, beide Werke tragen aber den Namen desConstantin, der sie veränderte und vollendete.
Mit Constantin und der Verlegung der Residenz nach Byzanz tritt inder Aufführung von Monumentalbauten in Rom ein vollständiger Stillstand ein.Die Baulust und die Baukraft der Kaiser konzentrierte sich von jetzt an aus-schliefslicli auf die Stadt am Bosporus, und seit der zweimaligen PlünderungRoms 410 und 455 n. Chr. durch die Goten und Vandalen sank die Be-deutung der alten Reichshauptstadt immer mehr.
Die Bevölkerung des alten Rom wird in seiner Blütezeit auf 1 6Ö0 000Seelen geschätzt; doch scheint sie schon unter der Regierung des Diocletianauf 7—800000 Einwohner herabgesunken zu sein.
Zu Seite 13: KLEINASIEN.
Unter Kleinasien versteht man die grofse Halbinsel, die von demvorderasiatischen Hochlande, d. li. den Bergen des oberen Euphrat nachWesten zu bis zum ägäischen Meere sich erstreckt, und einen Umfang vonetwa 500 000 Quadratkilometer besitzt. Mit Ausnahme der westlichen Seite,die an Mannigfaltigkeit Griechenland kaum nachsteht, ist die Küste weniggegliedert; auch hat der Boden der Halbinsel nur im Westen und Nordwesten,allenfalls auch in einigen Thälern des Nord- und Südrandes die Bedingungenhervorragender Fruchtbarkeit; das Zentrum Kleinasiens, Galatien, Lykaonien,Kappadokien ist eine grofsenteils kahle, wenig kulturfähige Hochebene, dieniemals in der Geschichte der Schauplatz hervorragender Ereignisse ge-wesen ist.
Eine einheitliche Bevölkerung hat die kleinasiatische Halbinsel imAltertume in weit geringerem Masse besessen als heutzutage, wo wenigstensder Grundstock der Bewohner einem Volke, den Osmanen angehört, und nuran den West- und Südküsten' durch die Griechen, im Osten und Nordostendurch die Armenier und Kaukasier eingezäumt wird. An der WestküsteKleinasiens und den vor ihr liegenden Inseln finden wir schon zu Anfang derGeschichte Griechen sefshaft, ohne dafs die Frage bis jetzt endgültig ent-schieden worden wäre, ob dieses Volk von Osten hierher gewandert und durchnachdrängende andere Völker an den schmalen Saum am Meere und die weiterwestlich liegenden Länder geworfen worden ist, oder ob es von der Balkan-halbinsel per Schiff hier eindrang, und auf diese Weise zu erklären sein mag,dafs wir es in Griechenland in grofsen Massen, in Kleinasien aber auf einemso auffallend dünnen und langgezogenen Streifen wohnhaft sehen. Im Binnen-lande finden wir zunächst Stämme, die, indogermanischen Geschlechts, denGriechen nahe verwandt waren, die Karer, Lydier (zu denen die Lasonen inCabalia gehören), die Mysier und die über ein bedeutendes Terrain sich er-streckenden Phryger, denen die Troer, Mariandyner und Paphlagonier zuzu-zählen sind. Auch die Landschaften am oberen Halys und östlich vom unterenIlalys scheinen von einem Volke indogermanischen Geschlechtes, — die Kappa-dokier sassen hier, — bewohnt gewesen zu sein. Dagegen gehörten die Völkerdes pontisclien Küstengebirges östlich vom Thermodon dem kaukasischenStamme an. Unbekannter Stellug sind die Kilikier, Lykaonier, Isaurier, Pisidierund Solymer, von denen die letzteren anfangs die Landschaft südlich der La-sonen und Pisidier inne hatten, aber von den Tramilen, — von den GriechenLykier genannt und indogermanischen Ursprungs, — der Küste beraubt wurden.
So wenig Kleinasien im Altertume eine einheitliche Bevölkerung besafs,so wenig hatte es jemals eine einheitliche, selbständige Geschichte. Diefrüheste Kunde, die wir von der Halbinsel haben, ist, dafs sie oder Teilederselben abwechselnd von Chetitern, Ägyptern und Assyrern unterworfenwurde. Seit dem 7. Jahrh. v. Chr. begann im Westen Kleinasiens von derLandschaft Lydien an ein ansehnliches Reich zu entstehen. König Alyattes(617—560) vermochte seine Herrschaft bis zum Halys auszudehnen undauch die Mehrzahl der griechischen Städte der Halbinsel zu unterwerfen; seinSohn Crösus fügte den Rest hinzu; als der letztere aber den Versuch machte,eine Koalition gegen das unter Cyrus eben aufblühende Perserreich zu ständezu bringen und den Halys mit einem Heere überschritt, wurde er bei Pteriageschlagen. Noch in demselben Jahre (546 v. Chr.) wurde Sardes von denPersern erobert; Crösus selbst gefangen genommen, und das ganze lydischeReich fiel in die Hände des Siegers.
Bis auf Alexander den Grofsen blieb nun Kleinasien unter persischerHerrschaft; die Länder östlich vom Halys waren Cyrus, als Erben des Macht-besitzes der Meder, welche hinwiederum bei der Auflösung des assyrischenReiches die Mehrzahl der diesen unterworfenen Provinzen sich unterthangemacht hatten, bereits früher zugefallen. Die griechischen Städte und Inselnmufsten allerdings von König Xerxes 479 v. Chr. nach dem unglücklichen Ver-lauf des Krieges gegen die europäischen Griechen und der Schlacht bei My-
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