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Professor G. Droysens allgemeiner historischer Handatlas : in sechsundneunzig Karten mit erläuterndem Text / ausgeführt von der Geographischen Anstalt von Velhagen & Klasing in Leipzig unter der Leitung von Dr. Richard Andree
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Staat erstanden wieder, Piemont wurde von den Russen besetzt, die Fran-zosen waren auf das ligurische Küstenland beschränkt. Da erhielt SuworowBefehl über den Gotthard in die Schweiz zu marschieren und sich dort miteiner zweiten russischen Armee zu vereinigen. Unter den gröfsten Schwierig-keiten führte er Ende Sept. diesen Marsch aus, mufste aber, da jene zweiterussische Armee inzwischen bei Zürich zurückgeworfen war, mit völlig er-schöpftem Heere nach Feldkirch weichen. Paul I schrieb die Schuld an diesemUnglück den Österreichern zu und trat, zumal auch eine englische Expeditionnach Holland scheiterte, aus der Koalition aus (22. Okt.). Inzwischen warNapoleon aus Ägypten zurückgekehrt und erster Konsul geworden. Für dasJahr 1800 wurde nun wieder wie für 1796 ein Doppelfeldzug in Deutsch-land und Italien beschlossen. Napoleon überschritt den grofsen St. Bernhard,siegte bei Marengo (14. Juni) und erlangte den Waifenstillstand von Alexan-dria (15. Juni). Gleichzeitig drang Moreau bis München vor und schlofsden Waffenstillstand von Parsdorf (15. Juli). Noch scheiterte der VersuchNapoleons einen Sonderfrieden mit Österreich zu vereinbaren, als aberMoreau bei Hohenlinden (3. Dez.) gesiegt hatte und auf Wien rückte, schlofsFranz II am 25. Dez. den Waffenstillstand von Steyer und am 9.Febr. 1801zugleich im Namen des deutschen Reiches den Frieden zu Luneville.Darnach sollte der Thalweg des Rheins die Grenze Frankreichs, die Etschdie Grenze des österreichischen Venetien bilden, das Fricktlial ward zuGunsten der helvetischen Republik abgetreten, der österreichische Herzogvon Modena erhielt den Breisgau, der ebenfalls österreichische Herzog von iToskana überliefs sein Land, das in ein Königreich Etrurien verwandelt ;ward, an den bourbonisclien Erbprinzen Ludwig von Parma, er sowie diedeutschen Fürsten des linken Rheinufers sollten in Deutschland entschädigt jwerden. Bald traten weitere Änderungen ein. Die wiederhergestellte cisalpi- jnisclie Republik erhielt (26. Jan. 1802) den Namen Italienische Republik j(Napoleon Präsident); Piemont wurde 1802 in Frankreich einverleibt, ebensoElba, der stato degli Presidii und Piombino; von der helvetischen Republikward (3. April 1802) die Republik W allis getrennt und unter französischenSchutz gestellt; Parma mufste der Erbprinz nach dem Tode seines Vaters(9. Okt. 1802) an Frankreich abtreten, es behielt aber noch gesonderte Ver-waltung. Bestehen blieben der Kirchenstaat und das Kgr. Neapel; beiderExistenz wurde auch in dem zwischen Frankreich und England geschlossenenFrieden von Amiens (27.März 1802) gewährleistet, sein zugleich gegebenesVersprechen der Räumung Maltas erfüllte England jedoch nicht. Zur Rege-lung der deutschen Entschädigungen tagte eine Reichsdeputation, für ihreBeschlüsse vgl. p. 49.

III. Bis zur Auflösung des Deutschen Reiches.

Im Mai 1804 wurde Napoleon Kaiser der Franzosen. Infolge dessenwurde (März 1805) die italienische Republik in ein Königreich Italienverwandelt unter Napoleon als König und Eugen Beauharnais als Vizekönig.Die ligurische Republik wurde Juni 1805 in Frankreich einverleibt, imJuli auch Parma; Napoleons Schwester Elise und ihr Gemahl Felix Bachiochierhielten (März 1805) das Fürstentum Piombino und Juni 1805 dazunoch die in ein Fürstentum verwandelte Republik Luc ca.

Inzwischen war schon 1803 der Krieg mit England wieder ausgebrochen.Da Napoleon den Inselstaat nicht recht angreifen konnte, liefs er Truppen indas durch Personalunion mit England verbundene aber neutrale Hannovereinrücken: durch die Elbkonvention (5. Juli) wurde die hannoversche Armeeentwaffnet,das Land blieb von den Franzosen besetzt. Der Krieg ruhte nun, 1bis am 11. April 1805 das BüDdnis zwischen Russland (Alexander I) undEngland geschlossen wurde, das sich bald durch den Beitritt Schwedens,Österreichs, Neapels zur dritten Koalition erweiterte. Napoleon, derschon mit mehreren deutschen Staaten (Bayern, Baden, Hessen-Darmstadt,Nassau, Württemberg) angeknüpft hatte, schlofs die Österreicher bei Ulmvöllig ein (dazu marschierte Bernadotte von Hannover her durch daspreufsische, also neutrale Ansbach) und zwang sie 20. Okt. 1805 zur Kapi-tulation. Schnell rückte er nun auf Wien, besetzte es schon am 13. Nov.und folgte den nach Norden ziehenden Verbündeten. Seine Lage war aberdurchaus nicht günstig: in seinem Rücken zogen die Erzherzoge Karl undJohann auf Wien, Preufsen war nahe daran der Koalition beizutreten, auchkam die Kunde von der Vernichtung der französischen Flotte durch dieSchlacht von Trafalgar (21. Okt.). Da rettete ihn der Sieg in der Drei-kaiserschlacht von Austerlitz (2. Dez.). Traf die Schuld hier zumeist dieRussen, weil sie bewirkt hatten, dafs man überhaupt eine Schlacht lieferte,so war es von Franz II übereilt, in dem Waffenstillstand vom 4. Dez. ausder Koalition auszutreten. Nun zogen die Russen ab, Preufsen ergriff dieWaffen nicht, und Österreich mufste am 26. Dez. 1805 den Frieden vonPrefsburg auf folgende Bedingungen schliefsen. Bayern und Württem-berg werden als Königreiche anerkannt (die feierliche Annahme des Königs-titels geschah am 1. Jan. 1806) und erlangen volle Souveränität. Bayernerhält die Markgrafschaft Burgau, den Vorarlberg, die Grafschaften Hohen-embs und Königsegg, die Herrschaften Tettnang und Argen, Lindau, Tirolmit Brixen und Trient, ferner Eichstädt, Passau und die Reichsstadt Augs-burg, tritt aber Würzburg ab. Württemberg bekommt die sogenannten5 Donaustädte, die 2 Grafschaften Hohenberg, die Landgrafschaft Nellen-burg, die Landvogtei Altorf, den Breisgau so weit er württembergische En-klave ist, die Städte Villingen und Breunlingen, vom Johanniterorden Bonn-dorf. Baden erlangt'die Stadt Konstanz, die Komturei Mainau, den Restdes Breisgau, die Ortenau. Österreich dagegen erhält Salzburg mit Berch-tesgaden und für einen Erzherzog die Deutschordensgüter, der österreichischeKurfürst von Salzburg bekommt Würzburg mit der Kur. Das KönigreichItalien erhält Venetien, Istrien, Dalmatien. [Hier und weiter verweisenwir für genauere Angaben der Gebietsveränderungen auf Berghaus: Deutsch-land vor fünfzig Jahren. Leipzig 186162.]

Preufsen war seit dem Baseler Frieden neutral gewesen. Als aberNapoleons Heere durch das preufsische Ansbach marschierten, war der Königbereit, sich den Verbündeten anzuscliliefsen, wenn Napoleon ein preufsischesUltimatum ablehnen würde (Potsdamer Vertrag 3. Nov. 1805). Napoleonverstand es indes, den preufsischen Gesandten Haugwitz hinzuhalten bis erbei Austerlitz gesiegt und mit Österreich Waffenstillstand geschlossen hatte.Nun Unterzeichnete Haugwitz den Schönbrunner Vertrag (15. Dez.), wo-nach Preufsen Ansbach, Kleve, Neuenburg abtrat und Hannover erhielt.Der König schwankte noch mit Rücksicht auf England, mufste aber imPariser Vertrag (15. Febr., 3. März 1806) auch die englische Feindschaftin den Kauf nehmen. Ansbach wurde von Frankreich an Bayern über-lassen, das dafür Berg an Frankreich abtreten musste. Dies und Kleve

wurde als Herzogtum Napoleons Schwager Joachim Murat gegeben (15. März1806), nur Wesel blieb von Franzosen besetzt; das Fürstentum Neufchatelerhielt (30. März) Marschall Berthier.

Die durch den Preisburger Frieden eingeleitete Auflösung desdeutschen Reichs wurde vollendet durch die Stiftung des Rhein-bundes unter Napoleons Protektorat (12. Juli 1806). Dabei sagten sichfolgende 16 Fürsten vom Reiche los: die Könige von Bayern und Württem-berg, der Kurerzkanzler, der Kurfürst von Baden, die Herzoge von Kleve-Berg und Aremberg, der Landgraf von Hessen-Darmstadt, die Fürsten vonNassau-Usingen, N.-Weilburg, Hohenzollern-Hechingen, H.-Sigmaringen, Salm-Salm, S.-Kyrburg, Isenburg, Liechtenstein, der Graf v. d. Leyen. Dabeiward der Kurerzkanzler Fürst-Primas, Baden, Berg, Hessen-Darmstadt er-hielten den grofsherzoglichen, Nassau-Usingen den herzoglichen, v. d. Leyenden fürstlichen Titel. Gleichzeitig erfolgten eine Reihe Gebietstausclie unterden Rheinbundfürsten und die Meditiasierung der in ihren Ländern liegen-den reichsunmittelbaren Gebiete; Zweck dabei war die Abrundung undReinigung des Staatsgebietes. Unter den zahllosen Gebietsveränderungenmag nur erwähnt werden, dafs Bayern die Reichsstadt Nürnberg, der Fürst-Primas die Reichsstadt Frankfurt erhielt; manches andere erhellt aus derKarte, welche die bei der Gründung zum Rheinbund gehörenden Staaten inFlächenkolorit bietet. Nach diesen neuen Gewaltakten Napoleons entsagteFranz II, der schon am 14. Aug. 1804 den österreichischen Kaisertitel an-genommen hatte, der deutschen Kaiserwürde (6. Aug. 1806).

Von Schönbrunn aus hatte Napoleon (27. Dez. 1805) erklärt:DieDynastie von Neapel hat aufgehört zu regieren. Demgemäfs rücktenfranzösische Truppen ins Land, und Napoleons Bruder Josef Bonaparteward am 30. Mai 1806 als König von Neapel ausgerufen; König Ferdinandbehielt Sizilien. Für seine Marschälle und Staatsmänner errichtete dannNapoleon eine Reihe grofser Reichslehn in Italien, als souveräne Fürsten-tümer verlieh er an Bernadötte Pontecorvo, an Talleyrand Benevent,Gebiete, die eigentlich päpstlich, zuletzt zwischen Neapel und Rom streitiggewesen waren. Das Fürstentum Lucca vergröfserte er durch Massa-Carrara,Guastalla gab er 30. März 1806 als Herzogtum seiner Schwester Paulinediese aber trat es schon am 24. Mai an das Kgr. Italien ab. Die bata-visclie Republik endlich wurde in ein Königreich Holland verwandelt undNapoleons Bruder Ludwig Bonaparte gegeben (5. Juni 1806).

IV. Bis zum Beginn des Krieges mit Österreich.

Preufsen hatte 1805 das schon halb gezogene Schwert wieder in dieScheide gesteckt, bald sollte es sich zeigen, dafs die seit 1795 gewahrteNeutralität unhaltbar war. Napoleon bereitete der Errichtung eines unterPreufsens Führung stehenden norddeutschen Bundes Schwierigkeiten, jaer bot bei den Friedensunterhandlungen Hannover den Engländern, daspreufsische Polen den Russen an. Aber auch jetzt noch war die preufsischePolitik unsicher; so kam daher, dafs Preufsen bei Beginn des Krieges nur mitSachsen verbündet war. Dem unglücklichen Treffen bei Saalfeld (10. Okt.)folgte die Niederlage bei Jena und Auerstädt (14. Okt.), der Rest der Armeestreckte bei Prenzlau (28. Okt.) die Waffen, mit wenigen Ausnahmen kapi-tulierten überschnell die Festungen, am 27. Okt. war Napoleon in Berlin.Sachsen schlofs am 11. Dec. 1806 Frieden, wurde Königreich und mufstedem Rheinbund beitreten. Da indes Friedrich Wilhelm eine Konvention, 1welche Preufsen bis zur Weichsel den Franzosen ausgeliefert hätte, verwarf,ging der Krieg, in den nun auch die Russen eingriffen, fort. Die unent-schiedene Schlacht bei Pr. Eylau (7/8. Febr. 1807) bestimmte NapoleonFriedensverhandlungen mit dem Preufsenkönig anzuknüpfen; dieser jedochlehnte ab und verbündete sich zu Bartenstein noch enger mit dem Zaren.Als dann aber die Russen bei Friedland (13. Juni) geschlagen wurden, gingAlexander auf die von Napoleon gewünschte persönliche Zusammenkunft(25. Juni) ein und gab, von Napoleon durch Versprechungen betreffs derTürkei gewonnen, seinen Verbündeten preis. Am 7. Juli schlofs Rufslandmit Frankreich den Frieden zu Tilsit, Preufsen mufste ihm am 9. Juli bei-treten. Rufsiand lieferte die ionischen Inseln und Jever an Frankreich aus,erhielt dafür das preufsische Bialystock, schlofs auch Bündnis mit Frank-reich und nahm die Kontinentalsperre au. Preufsen trat alles Land bis zurElbe mit Magdeburg, dazu die Erwerbungen der zweiten und dritten pol-nischen Teilung ab, seine Hauptfestungen blieben zudem von Franzosen be-setzt. Schon vorher hatte Napoleon Fulda, Hessen-Kassel und Braunschweigannektiert; über diese und die nun gewonnenen Gebiete wurde folgender-mafsen verfügt. Jever und Ostfriesland fielen an Holland; an Bergkamen Essen, Werden, Mark, Münster, Tecklenburg, Lingen, Dortmund undFulda; ein neues Königreich Westfalen (König Jerome Bonaparte) ward18. Aug. 1807 gebildet hauptsächlich aus Braunschweig, den früher preu-fsischen Gebieten (aufser Erfurt, Baireuth und den oben genannten), Hessen-Kassel (mit Ausnahme von Hanau und Katzenelnbogen), Göttingen, Gruben-hagen und Osnabrück; Sachsen erhielt den Kottbuser Kreis; Frankreichbehielt Katzenelnbogen und Erfurt, einverleibt wurden auch Kehl, Kastei,Wesel; Danzig ward Republik mit einem französischen Gouverneur; dasaus den polnischen Gebieten gebildete Herzogtum Warschau erhielt dersächsische König Friedrich August; Baireuth, Hannover, das Preufsenam 18. Jan. 1807 an England zurückgegeben hatte, und Hanau bliebenvorläufig in französischen Händen, auch in den Hansestädten lagen fran-zösische Truppen. Dem Rheinbund traten bei: am 25. Sept. 1806 Wiirz-burg, das Grofslierzogtum ward; am 11. Dez. Sachsen als Königreich; am15. Dez. die ernestinischen Herzöge von Sachsen (Weimar, Gotha, Meiningen.Hildburghausen, Coburg); am 18. April 1807 Anhalt (dabei erlangten Dessauund Köthen die Herzogswürde, welche Bernburg schon 1806 von Franz IIerhalten hatte), Schwarzburg - Sondershausen und Rudolstadt, Waldeck,Lippe-Detmold und Schaumburg-Lippe (letzteres ward Fürstentum), Reufsä. L. (Greiz) und j. L. (Schleiz, Lobenstein, Ebersdorf; Schleiz und Ebers-dorf hatten 1806 den Fürstentitel angenommen); am 15. Nov. Westfalen;am 18. Febr. 1808 Mecklenburg-Strelitz; am 22. März M.-Schwerin; am14. Okt. Oldenburg. Wiederum erfolgten eine ganze Reihe kleinerer Ge-bietsverschiebungen, die aber hier nicht aufgezählt werden können.

In Italien traten zwei wichtigere Veränderungen ein. 1807 (27. Okt.,10. Dez.) wurde das Königreich Etrurien an Frankreich abgetreten und1808 ganz ein verleibt (der bourbonische König von Etrurien sollte in Por-tugal entschädigt werden), 1809 wurde mit dem Titel Grofslierzogin Elisavon Lucca Statthalterin von Toscana; durch Verfügung vom 2. April 1808wurden die päpstlichen Provinzen Urbino, Ancona, Macerata, Camerino demKönigreich Italien einverleibt. Baldamus.