58
Zu Seite 54/56:
DIE KRIEGE VON 1864, 1866, 1870/71.
Die Düppeler Schanzen.
Nach dem Ableben König Friedrichs VII von Dänemark bestieg am15. Nov. 1863 Christian IX den Thron. Der deutsche Bund, welcherdas Londoner Protokoll von 1852 nicht mitunterzeichnet hatte, erkanntediesen Nachfolger für Holstein und Lauenburg nicht an und verfügte, weilDänemark vertragswidrig seine Gesamtstaatsverfassung auch in diesen Lan-desteilen einführte, am 1. Okt. 1863 eine Bundesexekution. Infolge derenrückten um Weihnachten je eine Brigade Hannoveraner und Sachsen, zu-sammen etwa 12 000 M. unter dem Sächs. Gen.-Lt. v. Hake, ohne Schwert-streich in das von den Dänen geräumte Holstein ein. Als Reserve standeine Brigade Österreicher in Hamburg, während eine Brigade Preufsen sichbei Lübeck sammelte. Der deutsche Bund verweigerte dann eine Teilnahmean der Besetzung Schleswigs und deshalb nahmen Preufsen und Österreichdie Sache allein in die Hand.
Am 1. Februar 1864 überschritten die alliierten Truppen unter dem Ober-befehle des Feldmarschalls v. Wrangel die Grenze. Das österreichische Korps(n. Korps) unter Feldmarschallleutnant Freiherr v. d. Gablenz bestand aus20 789 Kombattanten. Die Preufsen bildeten ein vollständiges Armeekorps(I. Korps), das der General der Kavallerie Prinz Friedrich Karl komman-dierte, in Stärke von 28 579 Kombattanten. Daneben entsandte Preufsennoch eine kombinierte Gardedivision (HI. Korps) und verstärkte seine Trup-pen im Laufe des Feldzuges überhaupt.
Das I. Korps, am rechten Flügel der Armee, rückte gegen die Schleivor, unternahm am 2. Februar eine Rekognoszierung gegen Missunde undbereitete den Übergang bei Arnis und Cappeln vor. Die österreichische Bri-gade Gondrecourt bestand am 3. Februar ein blutiges, aber siegreiches Gefechtbei Oberselk, nahm den Königshügel, den Schlüssel zu der berühmten Stellungdes Dannewerkes, und warf den Feind in seine Verschanzungen zurück.
Als in der Nacht zum 6. Februar der Übergang der Preufsen über dieSchlei vor sich gehen sollte, war die feste Stellung unter Zurücklassung von119 schweren Geschützen verlassen. Die Verbündeten nahmen von derselbenBesitz und rückten am 6. April nach Flensburg. Die Österreicher hatten mehr-fache Gefechte mit der Nachhut des Feindes, namentlich bei Oeversee. Flens-burg wurde am 7. Februar besetzt und das III. Korps übernahm die Verfolgung.Ein Teil der Dänen war nach Sonderburg abgezogen, der Rest über Apenradenach dem Norden ausgewichen. Nach einigen Tagen der Ruhe wurde dasI. Korps gegen die Düppelstellung vor Sonderburg dirigiert, während das II.und III.Korps nach Norden bis Kolding vordrangen.
Das I. Korps bezog zunächst eine Stellung im Sundewitt und man trafumfassende Vorbereitungen zu einer regelmäfsigen Belagerung der DüppelerSchanzen, welche, mit beiden Flügeln sich an das Meer lehnend, kaum über4000 Schritte sich ausdehnten undaus zehn teils offenen, teils geschlossenenErdwerken bestanden, die durch Schützengräben und Kommunikationswegemit einander verbunden waren. Eine zweite Verteidigungslinie erstrecktesich hinter dem linken Flügel der ersten bis etwa zu deren Mitte, und einBrückenkopf deckte den Übergang nach Sonderburg auf der Insel Alsen.
Am 15. März eröffneten die auf dem Broacker bei Gammelmarketablierten Batterien ihr Feuer gegen die feindlichen Schanzen, und manschritt ernstlich zur Belagerung.
Vom 7. April an nahm die durch Batteriebauten vorbereitete Bela-gerung von Düppel ihren Anfang. Der Bau der Angriffsparallelen fand südlichdes Weges von Wielhoi nach der Düppeler Mühle statt. Am 18. April wardder Sturm in sechs Kolonnen gegen die Werke 1 bis 6 unternommen. Derdurch das Feuer von 94 schweren Geschützen erschütterte Feind hielt nichtStand. Die Schanzen fielen binnen wenigen Minuten in die Hand der Stür-menden, welche im weiteren Vordringen auch die zweite Verteidigungslinieund den Brückenkopf eroberten. Die Sieger erbeuteten 119 Geschütze und32 Danebrogflaggen.
Am 26. Juni begannen die Feindseligkeiten abermals, am 29. in derFrühe übersetzte das I. Korps mit Kähnen den Alsensund nördlich vonSonderburg und nahm die Insel nach blutigem Gefecht in Besitz. DieDänen führten ihre Truppen nach Fünen und Seeland hinüber, indem sie aber-mals 99 Geschütze, eine Anzahl Danebrogflaggen und sehr bedeutendesKriegsmaterial in den Händen des Feindes liefsen. Etwas später besetztendie Verbündeten ganz Jütland bis an die Nordspitze.
Am 30. Oktober 1864 kam der Friede von Wien zu stände, der dieSouveränitätsrechte der drei Herzogtümer Lauenburg, Holstein und Schles-wig an Preufsen und Österreich gemeinschaftlich übertrug.
Die Schlacht bei Königgrätz.
Der Wiener Friede vom 30. Oktober 1864 legte durch seine Bestim-mungen, die den Besitz von Schleswig und Holstein den beiden deutschenGrofsstaaten gemeinsam überwies, den Grund zum Kriege zwischen Öster-reich und Preufsen. Österreich wollte dem Nebenbuhler um die Hegemoniesein Eigentumsrecht an den Herzogtümern nur gegen anderweitige territorialeEntschädigung überlassen und, da Preufsen eine solche nicht bewilligte, auchauf die Beschränkungen der Souveränitätsrechte nicht eingehen, welche Preu-fsen forderte, wenn es der Errichtung eines neuen deutschen Kleinstaats unterdem Prinzen Friedrich von Schleswig-Holstein-Sonderburg - Augustenburgzustimmen sollte. Die deutschen Mittel- und Kleinstaaten standen durchwegauf Seite Österreichs. Der Gasteiner Vertrag vom 14. August 1865 schobden Konflikt hinaus. Österreich übernahm nach demselben die Verwaltungin Holstein, Preufsen in Schleswig. Ende Januar 1866 indes wurde dieSpannung akut. Österreich begann zu rüsten und infolge dessen mobilisierteauch Preufsen, das am 8. April mit dem Königreich Italien ein Bündnis ab-schlofs. Am 5. Juni rief Feldmarschallleutnant Frhr v d Gablenz die hol-steinischen Stände ein. General v. Manteuffel rückte, um den Zusammentrittdes Landtages zu verhindern, aus Schleswig mit 12 000 Mann in Holsteinein und drängte die 4000 dort stehenden Österreicher aus dem Lande
Am 14. Juni beschlofs der deutsche Bund auf Antrag Österreichs daPreufsen den Bundesfrieden gebrochen habe, die Mobilisierung aller nicht zumpreufsischen Heere gehörigen Bundeskorps. Preufsen erklärte, dal's es denBund für aufgelöst erachte und richtete am 15. Juni an Sachsen, Hannoverund Kurhessen die Aufforderung, sich neutral zu verhalten. Dieselbe wurdeteils abgelehnt, teils innerhalb der gesetzten Frist nicht beantwortet, und eserfolgte die Kriegserklärung gegen die drei genannten Staaten.
Am 15. Juni überschritt General v. Manteuffel die Elbe bei Har-burg, am 16. die 13. Division (Goeben) die Grenze bei Minden und beide
gingen gegen Hannover vor, das am 17. besetzt wurde, während an dem-selben Tage die Division Beyer von Wetzlar aus gegen Kassel marschierte,und diese Stadt am 19. Juni erreichte. Die kurhessischen Truppen wichenüber Fulda nach Hanau aus und bildeten später einen Teil der Besatzung vonMainz. Die hannoversche Armee sammelte sich bis zum 21. Juni in derStärke von etwa 20000 Mann bei Göttingen, und marschierte nach Süd-deutschland ab. Bei Langensalza wurden die Hannoveraner, bei denen sichKönig Georg V befand, am 27. Juni durch das Detachement des Generalsv. Flies, 8700 Mann, angegriffen, blieben siegreich, kapitulierten aber am
28. Juni, da sie von 40000 Mann umstellt waren. Die auf diesem Teil desKriegsschauplatzes vereinigten preufsischen Truppen operierten nun unterder Bezeichnung Mainarmee gegen das VII. (Bayern) und das VIII. deutscheBundesarmeekorps (Württemberger, Badenser, Hessen).
Seit dem 5. Juni standen ferner die Elbarmee (1 '/a Armeekorps, GeneralHerwarth v. Bittenfeld) an der Elbe, die I. Armee (3 Armeekorps, 1 Ka-valleriekorps, Prinz Friedrich Karl) bei Görlitz, die II. Armee (4 Armee-korps, 1 Kavalleriedivision, Kronprinz von Preufsen) zwischen Schweidnitzund Neisse; ein Reservekorps (2 Divisionen) war in der Formation begriffen.Die österreichische Hauptmacht (6 Korps, 4 Kavalleriedivisionen, Feldzeug-meister v. Benedek) war bei Olmütz versammelt, 1 Korps und 1 Kavallerie-division nach Böhmen vorgeschoben; die Sachsen standen bei Dresden.Jede der feindlichen Armeen zählte etwa 250000 Streiter.
Am 15. abends bezw. am 16. Juni morgens rückten die Elbarmee, diespäter unter die Befehle des Prinzen Friedrich Karl trat, und ein Teil derI. Armee in Sachsen ein, besetzten am 18. Dresden und operierten aufZittau. Die sächsischen Truppen hatten ihr Land ohne Schwertstreich ver-lassen und hatten sich auf die Österreicher in Böhmen zurückgezogen. Dorthatte Benedek, welcher sein Heer am 17. Juni von Olmütz aus in Marschgesetzt, am 26. Juni 4 Armeekorps und 1 Reservedivision bei Königgrätzvereinigt. Der Rest der Armee traf bis zum 30. Juni ein. Zwei Korpswaren gegen die Grenze vorgeschoben.
Der Einmarsch in Böhmen seitens der Preufsen erfolgte ohne besondereKriegserklärung. Die II. Armee rückte aus Schlesien vor, dessen Schutz zweiDetachements wurde, von denen das eine am 27. Juni ein Gefecht bei Os-wiecim bestand. Am selben Tage wurde das 1. preufsische Armeekorps (II.Armee) bei Trautenau in das Gebirgsdefilee zurückgeworfen, während das5. Korps derselben Armee sich die Übergänge bei Nachod siegreich erkämpfte;das Gardekorps erreichte Eipel und Kosteletz, das 6. Korps war noch zurück.Am 28. wurden die Österreicherbei Skalitz und Soor, am 29. bei Königinhofund Schweinschädel geworfen.
Allen preufsischen Truppen war die Richtung auf Gitschin vorge-schrieben. Die I. Armee erreichte nach einem Reitergefechte bei Langen-brück am 24. Juni und den folgenden Tag die Gegend von Reichenberg, dieElbarmee Gabel. Am 26. Juni kam es zu Kämpfen bei Hühnerwasser,Schlofs Sichrow und Podol, die glücklich für die preufsischen Waffen ver-liefen, und die Besetzung von Müncliengrätz am 28. im Gefolge hatten. Der
29. Juni brachte der I. Armee dann noch den blutigen Sieg von Gitschin.
Die Österreicher wurden somit an allen Seiten nach dem Mittelpunktihrer Stellung bei Königgrätz zurückgedrängt, gegen welche der am 30. Junizur Armee gestofsene König von Preufsen zum 3. Juli den allgemeinen Angriffbefahl. Feldzeugmeister von Benedek hatte mit seiner Armee (mit den Sachsenund 6 Kavallerie-Divisionen 219 000 M., 770 Gesell.) den Höhenrand imNordwesten der starken Festung Königgrätz auf eine Ausdehnung von 15km besetzt. Im Rücken der Stellung flofs die Elbe, die auf sechs stehendenund sechs neu geschlagenen Brücken passiert werden konnte.
Die vereinigte Elb- und I. Armee stand am 2. Juli in westlicher Rich-tung den Österreichern gegenüber, die Vorposten zwischen 2 und 3 km vonden letzteren entfernt. Die II. Armee befand sich einen Tagemarsch ent-fernt nördlich, jenseits der Elbe, nur das I. Armeekorps und ein Teil desGardekorps war über den Flufs vorgeschoben. Die Stärke der Preufsen betrug221000 M„ 780 Gesell., davon 300 glatte. Die I. und die Elbarmeewaren von 7 Uhr bis 11 Uhr vormittags in stetem Kampfe bis in die LinieHradek — Mokrowaus-Dolialicka — Ostende des Holawaldes — und desSkalkagehölzes vorgedrungen. Auf dem äufsersten linken Flügel stand die7. Division im heftigsten Kampfe um den Swiepwald, den sie genommen hatte,und gegen überlegene Kräfte behauptete. Um 1 Uhr gingen die stark er-schütterten Österreicher hier zurück und wurden von den Spitzen der II. Ar-mee in die Flanke genommen. Das Gardekorps eroberte bis 3 Uhr dieHöhen bei Lipa, Chlum und Rosberitz, während die Sachsen Problus, Nd.und Ob.-Prim verloren. Feldzeugmeister Benedek unternahm mit frischenTruppen vergebens einen Angriff, um Problus und Clilurn wiederzugewinnen.Nun wurde der Rückzug der Österreicher, durch die Artillerie mit rücksichts-loser Kühnheit gedeckt, allgemein. Von Nechanitz und Sadowa brach diepreufsische Kavallerie (32 Schwadronen) zur Verfolgung vor. Ihnen warfensich 40 Vä österreichische Schwadronen entgegen. Durch den Reiterkampfbei Langenhof, Stresetitz und Problus gewann die in Unordnung gerateneösterreichische Infanterie Zeit und Vorsprung. Vor Dunkelwerden ward dieVerfolgung eingestellt.
Am 5.. 6. und 7. Juli folgten die Preufsen mit der II. Armee dem aufOlmütz zurück weichenden Gegner; die I. und die wieder selbständige Elb-armee gingen über Brünn direkt auf Wien. Am 22. Juli aber trat einefünftägige Waffenruhe ein, am 27. wurden zu Schlofs Nikolsburg die Frie-denspräliminarien ratifiziert, und am 23. August kam der Friede von Prag zustände. Der deutsche Bund ward aufgelöst, und an seine Stelle trat derneu errichtete Norddeutsche Bund ohne Österreich.
Der deutsch-französische Krieg 1870 71 .
Die innere Ursache des Krieges lag in der Eifersucht der Franzosengegenüber den Waffenerfolgen der Preufsen von 1864 und 1866; den äufserenAnlafs zum Ausbruch bot die Kandidatur des Erbprinzen Leopold von Holien-zollern für den spanischen Thron, selbst als diese schon zurückgezogen war.Als am 13. Juli 1871 König Wilhelm von Preufsen die Anmafsung des fran-zösischen Gesandten Benedetti in gebührende Schranken zurückwies, betrach-tete man in Paris den Krieg als erklärt, und berief am 14. die Reserven ein,doch ward die förmliche Kriegserklärung erst am 19. in Berlin überreicht.Inzwischen hatte König Wilhelm in der Nacht vom 15/16. Juli die Mobil-machung des norddeutschen Bundeslieeres und zu derselben Zeit der Grofs-lierzog von Baden diejenige seiner Division anbefohlen; am 16. erliefsKönig Ludwig II von Bayern die gleichen Befehle für seine Truppen und am17. machte Württemberg mobil.