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Programm, womit zu der am Montag den 17. März 1856 von 8 1/2 Uhr Vorm. und 2 1/2 Uhr Nachm. an stattfindenden öffentlichen Prüfung der Schüler der Petrischule / ergebenst einladet Dr. Strehlke
Entstehung
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Lebenszeichen vorzeitlicher, im bernstein eingeschlossener thiere.

1. Einleitung.

Je mehr es gelingt das innere der erde aufzuschliessen und das verborgen liegende ans tages-liclit zu fördern, um so mehr bestätigt sich die erfahrung, dass in den Vorgängen und bildungender unorganischen natur in den verschiedenen entwicklungsperioden der erde keine anderngesetze wirksam gewesen sind, als die noch jetzt bestehenden, wenn auch die grosse der Wirk-ung oft über das jetzige masz hinausgegangen ist. Wie aber verhält es sich mit den organi-schen Schöpfungen und insbesondere mit der thierweit? Tausende von vorweltlichen thierensind aus ihrem unterirdischen grabe wieder hervorgegangen und geben uns ein bild der frühembelebung der erdoberfläclie; aber es sind nur die schatten der verstorbenen, ihr vergangenesleben und wegen liegt völlig im dunkeln. Waren die angeborenen lebenstriebe in bezug aufernährung, erhaltung und fortpflanzung eben so abweichend von denen der jetzt lebenden tliier-welt, wie es die formen derselben in den einzelnen perioden der erdbildung sind? Hat es viel-leicht eine zeit gegeben, in der alle thiere sanften und milden characters, in friede und ein-traclit, ruhig neben einander lebten und sich nur von kräutern und frücliten der erde nährtenund ist verderbnisz des willens in späterer Schöpfung auch über sie gekommen? Die thierbil-dung hat in der Schöpfung mit den wasserthieren und den niedrigsten formen des thierreichsbegonnen und ist allmälig zu den höhern, den Iand und luftthieren hinaufgestiegen, die massen-haften und plumpen gestalten haben gedrängteren, feineren und schöneren weichen müssen undein fortsehritt in der bildung von den frühem zu den spätem perioden ist unverkennbar, nichtals ob die ersten werke der schaffenden hand des Schöpfers einem mangel oder tadel unter-worfen sein könnten, sondern weil die nothwendigen lebensbedingungen für die höhern thierenoch nicht auf der erde vorhanden W'aren. Die erhaltenen formen mancher thiere aus den letz-ten erdperioden kommen den entsprechenden jetzt lebender thiere so nahe, dass einige natur-forscher eine völlige gleichheit und Übereinstimmung annehmen zu dürfen geglaubt haben; al-lein, wo die thiere vollständig erhalten Vorlagen, wie es nur bei den in bernstein eingeschlosse-nen der fall ist, hat eine genauere Untersuchung, wenn auch nur der äussern theile, stets unter-schiede herausgestellt, und ist die identitäts annahme wenigstens für die bernsteinthiere zu-rückzuweisen. Wie aber verhält es sich mit den lebensersclieinungen der vorweltlichen undjetzt lebenden thiere? Jedes thier ist ein in fleisch und blut getretener gedanke des Schöpfers,

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