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Der Dienst der Infanterie bei der Vertheidigung der Festungen gegen den gewaltsamen Angriff / bearbeitet durch W. v. Kamptz
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Der preußische Commandant, General v. Lattorf, beachtetealle Schritte des Feindes mit Aufmerksamkeit und nahm zuvörderstBedacht, jeden gewaltsamen Angriff abzuschlagen.

In der Nacht vorn 24. zum 25. October gab man einigeSignale vor dem Platze; die Besatzung war auf ihrem Posten,es erfolgte aber kein Angriff. In der folgenden Nacht dagegengriff der Feind den Brückenkopf und einige vorliegende Redoutenan, in der Hoffnung, sie mit Leitern zu ersteigen, welche dieUmgegend hatte liefern müssen. Der Angriff fing um 6 UhrAbends an und dauerte abwechselnd an verschiedenen Orten bisum 10 Uhr. Die Besatzung vertheidigte sich überall muthig unddie Stürmenden mußten endlich mit Verlust und blutigen Köpfenabziehen. Der Commandant blieb die Nacht unterm Gewehr.Von Seiten des Feindes war zwar Alles ruhig, indessen ließ erdurch seine Vorposten mündlich und durch ausgestreute Zettel allenAusreißern in der Festung Pardon zusichern und alle Ausländerzum Austreten auffordern.

In der Nacht zum 26. fuhr der Feind hinter den OderdämmenWurfgcschütz auf und bombardirte den Brückenkopf. Ein Heu-und Stroh-Magazin gcrieth in Brand, Wachhäuser, Barrierenund Pallisaden wurden sehr beschädigt. Auch nach einem Getreide-Magazin , nach der Oderbrücke und nach der Schleuse warf erBomben, jedoch ohne Erfolg.

Während des Bombardements machten die Croaten abermalseinen Angriff auf den Brückenkopf; sie sollten die Pallisaden mitLeitern übersteigen, und die in Bereitschaft stehenden Grenadier-Bataillone waren beauftragt, sie zu unterstützen.

Da indessen die Croaten mit Verlust zurückgeschreckt wurden,so unterblieb die weitere Ausführung, und das Bombardementward bis 4 Uhr Nachmittag fortgesetzt. Da man in der Festunggeübt war, Gleiches mit Gleichem zu vergelten, so fand der Feindes rathsam, in der folgenden Nacht sein Geschütz zurückzuziehen.

Zu einer förmlichen Belagerung mit Geschütz und Munitionnicht versehen, ward Laudon durch den General v. Goltz, dermit 22 Bataillonen und 36 Schwadronen nach Oberschlesien vor-rückte, genöthigt, von seinem Vorhaben auf Cosel abzustehen. Den28. brach er auf und zog ab. In der Festung hielt man sich

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