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Der Dienst der Infanterie bei der Vertheidigung der Festungen gegen den gewaltsamen Angriff / bearbeitet durch W. v. Kamptz
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werden und im Durchschnitt nur 2 Pfd. 1 Lth. wiegen. BeimGebrauch der Handgranate muß zuerst der Zünder mit einem Mes-ser abgeplattet und dann an einer Lunte in Brand gesetzt werden. (*)

Den Luntenstock steckt man in den Erdboden, oder befestigtihn sonst wo, damit er nicht durch einen besonderen Mann gehal-ten werden muß.

In dem XVIIten Bande des Archivs für Artillerie- und In-genieure werden auf Seite 12 und 13 Versuche über Hand-granaten mitgetheilt, welche bier einen angemessenen Platzfinden dürften.

Werfen der Handgranaten aus freier Hand.

Hierzu wurden Handgranaten alter und neuer Art genommen,welche theils mit entzündeten, theils mit unentzündetcn Zündern ge-worfen wurden. Der Widerstand, welchen die Flamme des brennen-den Zünders in der Luft fand, war unbedeutend, und hatte ebenso wenig einen bemerkbaren Einfluß auf die erreichten Wurfweiten,als die verschiedene Eisenstärke der alten und neuen Handgranaten.

Um zu sehen, ob die örtlichen Verhältnisse, welche vorkommen,von bestimmter Einwirkung seien, wurden die mit dem Werfenbeauftragten Leute einmal in freier Ebene, das andere Mal hin-ter einer 7 Fuß hohen Brustwehr aufgestellt.

Hierbei ergab sich allerdings, daß das Werfen über eine sohohe Brustwehr die erreichten Wurfweiten bedeutend abkürzt, dennwährend man in freier Ebene mit neuen Handgranaten eine Wurf-weite von 35 bis 40 Schritt erreichte, warf man dagegen überdie Brustwehr des Hauptwalles rc. dieselben Handgranaten nur26 bis 29 Schritte weit, wobei sie etwa mit ihrer halben Stärkein den losen Sandboden eindrangen, was natürlich ihre Spreng-wirkung vermindern muß.

Es zeigte sich hierbei, daß der Wurf am vortheilhaftestengeführt wird, wenn die rückwärts in die Höhe gehobene Hand,welche die Handgranate umfaßt hält, mit einem Schwünge vor-wärts neben dem Kopf vorbcibewegt wird.

?) Nach Archiv XXXIII. paZ. 191 hat man neuerdings in Frankreich denHandgranaten Frictionszünder gegeben. Dieselben sind jedoch sehr künst-lich und ersparen allein das Anzünden des Zünders an einer Lunte.