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Der Dienst der Infanterie bei der Vertheidigung der Festungen gegen den gewaltsamen Angriff / bearbeitet durch W. v. Kamptz
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Dieser unvorbereitete Rückzug artete deshalb in eine Fluchtaus, der stürmende Feind drang zugleich mit den Flickenden überdie Brücken, durch die Thore; die 400 Mann starke Garnisondes Forts wurde gefangen und 18 Kanonen, 2 Mörser, 200Centner Pulver und viel Munition wurden erbeutet. (SeydelII. paA. 27.)

So ward 1759 der Fall von Erfurt und von Minden, und1760 am 26. Juli am hellen Mittag der Verlust von Glast her-beigeführt. Auf dieselbe Weise fiel 1828 die Festung Kars am5. Juli in russische Hände.

8. Die Bewachung selbstständiger Werke.

In detachirten Werken, in Citadellen, in allen in der Kehlegeschlossenen Außenwerken, wie in den auf dem Vorterrain befestig-ten Posten muß der Sicherheitsdienst analog ausgeführt werden,wie in der Hauptbefestigung des Platzes. Haupt- und Bczirks-wachen fallen natürlich hier zusammen.

Solche detachirte Werke, welche durch ihre erponirte Lagedie Gelegenheit bieten, von allen Seiten her angegriffen zu wer-den, erfordern eine besonders aufmerksame Bewachung nach allenSeiten hin und eine stets schlagfertige Rcservetruppe, da sie sonstleicht auf einer Seite beschäftigt und während dessen auf der ent-gegengesetzten überfallen werden. So fiel 1787 das holländischeFort Hinderdam durch Überfall in preußische Hände.

Dasselbe liegt auf einer Insel der Vechte und war mit 1 Major4 Officieren 100 Mann besetzt und mit 12 Geschützen bewaffnet.

Der preußische Major v. Zürsen erhielt Befehl, dieses Fortzu nehmen, und es waren ihm 40 Infanteristen und 60 Pferdein dieser Absicht zugetheilt.

Zu dem Zweck recognoscirte er den Platz am 18. September,brachte einige Kähne auf und postirte nach Eintritt der Dunkel-heit den kleineren Theil seines Detachements hinter einem Damm,von dem her er ein lebhaftes Feuer gegen das Fort eröffnete.

Die holländische Besatzung erwiederte diesen Angriff durch einlebhaftes Gewehr- und Geschützfeuer und vernachlässigte in ihremEifer vollständig die Bewachung der Rückseite des Forts.

Daher gelang es dem größeren Theil der preußischen Angriffs-

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