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Der Dienst der Infanterie bei der Vertheidigung der Festungen gegen den gewaltsamen Angriff / bearbeitet durch W. v. Kamptz
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3. Sturm auf Nieuport 1793. (*)

Der hessische Oberst Carl v. Wurmb wurde unterm 14. Sep-tember 1793 zum Commandanten von Rieuport ernannt. Er fanddie Festungswerke zerfallen und in der allertraurigsten Verfassung.Auch fehlte es an Proviant und Munition, als das von Furnesretirirende Corps in Nieuport einzog und zum Theil als Be-satzung verblieb.

Die Garnison bestand sonach aus dem 53sten englischen In-fanterie-Regiment unter Befehl des Majors Mathews zu un-fähr 200 Köpfen und 12 Artilleristen, aus dem Regiment »v. Kos-poth« und einer Compagnie Prinz-Friedrich-Dragoner. Hierzutrat in der Nacht zum 24. October das Grenadier-Bataillon»v. Eschwege« als Verstärkung.

An Geschütz hatte die Festung:

4 5^-pfundige Haubitzen,

^ ^ ^ ^ eiserne Kanonen, wozu am 25. October

2 12- » Regiments-Kanonen traten.

Den Mangel an Artilleristen ersetzte die Fischerzunft von Nieu-port, welche sich aus Patriotismus freiwillig zu diesem Dienstanbot, auch unter dem feindlichen Feuer den Arbeitsdienst in derFestung leistete und die zerfallenen Festungswerke herstellte.

Am Abend desselben Tages, an welchem die Garnison inNieuport eingerückt war, bezogen die Franzosen ein Lager einehalbe Stunde von dem Platze entfernt, und sandten als Zeichenihrer Ankunft alsbald einige Bomben und Kugeln in die Stadt.

Am Tage darauf, den 23. October, entdeckte die Garnisoneine bei Steendamme errichtete feindliche Batterie, und um 10Uhr schickte der französische Commandeur der Avantgarde, Ge-neral Hoche, folgende Aufforderung an den Magistrat:

*) Um unseren jüngeren Lesern zu zeigen, in welcher Weise die französischenGenerale ihre Drohungen erließen, um die Commandanten, Garnisonund Bürgerschaft einzuschüchtern, sind die betreffenden Schriftstücke indiesem Beispiel mit aufgeführt worden.