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Praktische Grundsätze zur höheren taktischen Führung der Reiterei nebst geschichtlichen Angaben / von Franz Strenner
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ten weit öfter auf Seite des Angreifenden als des Angegriffenen.Eigenthümlichkeit der Reiterei ist es, rasch zu siegen oder rasch sichwieder zurückzuziehen, wo sie unnöthigen Verlust erleiden könnte;sie verbreitet durch ihre Schnelligkeit Schrecken, und durch ihr ZögernStandhaftigkeit bei dem Gegner.

4. So wie eigentlich alle Generale, muß vorzüglich der Ober-general der Reiterei über die Taktik feiner Truppe nachdenken, nichtbei dem oft unzweckmäßig Erfundenen stehen bleiben, und aus Be-quemlichkeit sich nur mechanisch hin und Ker schieben lassen. LangeCombinationen, wo es raschen Entschluß gilt und alles an der Zeithängt, find schädlich; gesunde Vernunft und Erfahrung, ohne Eigen-sinn, zeigen immer den richtigeren Weg, als ein Chaos von ein-gelernten Theorien ohne praktische Weihe.

5. Weil es eben so wahr ist, daß die Beweglichkeit und auchdie Kraft der Truppen von ihrer Formation abhängig ist, so sollauch diese Form die beste taktische fein, welche das Genie desObergenerals als solche erkannte, und er soll sie unumschränkt,ohne Einmischung von Unwissenden, einführen und ausüben dürfen.

6. Eine der nothwendigen Fähigkeiten des Obergenerals ist,sogleich die Vor- und Nachtheile, welche Boden und Truppen geben,richtig zu erkennen, und die Reiterei darnach gewandt auf die ent-scheidenden Punkte zu führen. Auch dieses läßt sich nicht durch For-meln auf der Schultafel lernen, und durch Prüfungen constatiren.Hohes Beispiel, mit kalter Besonnenheit und schneller Krastäußerung,das Zutrauen der Osficiere und des gemeinen Mannes, sind der bestePrüfstein und das Hauptmittel zum Gelingen des Sieges.

7. Der Obergeneral der Reiterei muß ein felbstständiger Charak-ter fein; mag er feine Eigenbeiten und Sonderbarkeiten habeniver hat sie nicht oder gar bie und da nicht zu Gesichre stehenaber nie darf er sich in feinem Entfchluffe beirren lasten, wankendzeigen, oder stachen Einwürfen nach geben.

8. Muß er immer erkennen, ob die Zeichen zum Angriffe gün-stig sind. Wer ohne diese Zeichen angreifr. handelt leidenschaftlich,und Leidenschaft stürzt ins Verderben man opfert vergebens Men-schen feiner eigenen llnwistenheit auf, und verdient Strafe.

ll. Vorzüglich wichtig ist es bei der Reiterei die moralischeKraft vor großen Gefechten zu benünen, Er muß daher die morali