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Praktische Grundsätze zur höheren taktischen Führung der Reiterei nebst geschichtlichen Angaben / von Franz Strenner
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30
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so

I n der Colonne.

Bei der sichern Annahme, welche sich auf die mannigfaltigenVeränderungen stützt, die uns die Kriegsgeschichte deutlich liefert,daß in allen europäischen Heeren die vervollkommte Taktik der In-fanterie und Artillerie, im Verhältniß zur alten Linienform, auch einVerstärken der Kraft der Reiterei unbedingt nothwendig erscheint,finden wir, nach allen unsern Erfahrungen, Betrachtungen, Ver-gleichungen, daß die Colonnenformation zu Angriffen der Reitereidie zweckmäßigste und in dieser der Choc die höchste Kraftäußerungund Vortheile gewährt, und immer ein entscheidenderes Mittel zumSiege, als die dünne Linie war; was wir in der Kriegsgeschichte durchhäufige Beispiele bewiesen finden. Schon im Befreiungskriege 1813und 1815 finden wir die tiefe Stellung der Reiterei in Anwendung,und ihre Angriffe in Colonnen, höchstens mit Schwadronsbreite, aufReiterei, wie auf Fußvolk ausgeführt.

Wir haben zwar schon bei den Hauptregeln für den Generalder Reiterei diese Angriffsweise allgemein berührt, werden aber hiernäher in ihre Vorzüge eingehen.

Die geöffnete Colonne ist, zu den Bewegungen vor dem Ge-fechte, schon die nothwendige Form, als ste auch beim Angriff nieGefahr läuft, so wie die dünne Linie, in der Flanke angegriffen undausgerollt zu werden.

Wenn auch die Flanken einer Angriffscolonne schwerer Reitereinicht durch leichte oder durch eine nachfolgende Reserve gedeckt wären(wie es wohl immer sein sollte), so kann sie allein, durch Etnschwen-ken rechts oder links Front machend, sich selbst sichern.

Eben so gewährt die Colonnenformation vor Umgehung den-selben Schutz, weil ich mit jeder Abtheilung derselben nach Umstän-den, wie gesagt, rechts oder links, aus der Colonne herausschwen-ken, und gegen einen Angriff im Rücken die ganze oder halbeColonne rechts oder links umkehrt schwenken kann.

Es können Marsch-, Manövrir- und Angriffscolonne untereine Einheit gebracht werden, damit viele unnütze Commandowör-ter vermieden, und eine leichtere Ausbildung in der Schnelligkeiterzielt werden. Das der Colonne beigegebeneReitergeschütz hätte somitviel weniger Placirungen nöthig, als bei andern Formirungen; eswürde das immerwährende Hin- und Hersprengen der Batterien