186
nach dem Trieb' ihrer Sinne zu handeln. Rabbi Moseszieht die verkappte Nonne zum schwäbischen Tanz auf, oderfordert ein Stück schmackhafte Cervelatwurst. Der langeTürke trinkt im falben Burgunder die Gesundheit des aller-christlichsten Königs, und die stroherne Pyramide fängt anKnaster zu rauchen.
Jetzt ging der geduldige Ehemann in seine einsame Stu-dirstube, verwünschte seine lärmenden Gäste und rief alsozum Amor: „O du mächtiger Sohn der Cythere! hast dumir deinen Schutz darum angeboten und mich deines Rathesgewürdiget, um mich jetzt desto mehr zu kränken und meindankbares Herz wider dich zu empören? Was hilft es, daßdu mich nach den Reizungen meiner Wilhelmine hast schmachtengelehrt, und daß du mich durch ihr melodisches Jawort beglückthast? Was hilft es, daß mir dieser Tag in der schönsten Feierentflohen ist, wenn meine erste Brautnacht langweilig und unge-feiert davon zieht? Die lächelndeMorgenröthe wird mich spottendan die neue Bekanntschaft einer Freud' erinnern, die widermein Verschulden mir fremd geblieben ist, und Wilhelminewird mir mit ernsthaftem Lächeln in das Gesicht sehn, wennsie die glückwünschenden Bauern Frau Magisterin grüßen.Diese Nacht, o Sohn der Venus, nur diese einzige Nachtbeherrschest du noch mit dem Hymen in gemeinschaftlicherEhre; so laß mir doch nicht durch das wilde Getöse dergeputzten Höflinge und durch das Wiehern ihrer Pferdediese glücklichen Stunden entziehen, die keine Macht vermögend