120
gilt er dahin, wo ihm der SchertEin sanftes Lager zubereitet;
Und weil er weiß, daß sich der Liede ReizMit falschem Putze nicht vertraget:
So hatt' er, eh' er ging, sein glänzend RitterkreuzMit klugem Lächeln abgeleget. —
Die Kranke hatte kaum den jungen Arzt erblickt,
So lag sie schon in seinen ArmenUnd ward mit tröstendem ErbarmenAn sein verliebtes Herz gedrückt. —
Die Glücklichen! Sie fühlten nur und schwiegen,
Und wechselseitiges Vergnügen,
Das rührend still so wie der Morgen war,
Schien dieß berauschte frohe PaarIn die Vergessenheit zu wiegen;
Und wollustvolle Thränen stiegenDen Küssenden in's Aug' . . . alleinWird wohl der armen kranken SchönenMit alle dem geholfen seyn?
Ich will nichts Böses prophezeihn:
Assein ich zweifle fast, denn ihre Blicke sehnenSich, wenn ich'S recht versteh, nach stärkern Arzeuein.Ihr Busen zieht des jungen Mannes Thränen,
Ihr heißer Mund zieht seine Küsse ein,
Und jeder Athemzug vergiftet,
Wie leicbt zu denken ist, ihr wallend Blut noch mehr.