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Ueber die Grösse und Figur der Erde : eine Denkschrift zur Begründung einer mittel-europäischen Gradmessung nebst einer Uebersichtskarte / von J.J. Baeyer
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§. 1. Breitengradmessungen.

einerseits im Jahr 1844 der Generallieutenant Tenner mitder Triangulation Besarabiens und der südlichen Fortsetzungder Gradtnessung von Belin bis an die Donau beauftragt,andererseits wurde W. Struve von der Akademie der Wis-senschaften nach Stockholm geschickt, um bei der Schwe-dischen Regierung die nördliche Fortsetzung der Gradmes-sung von Torneä bis zum Eismeere in Vorschlag zu bringen.Dieser Vorschlag fand das bereitwilligste Entgegenkommen.

Auf besonderen Befehl des Königs Oscar wurde Han-steen mit dem Norwegischen, Selander mit dem Schwedi-schen Antheil des zu messenden Bogens beauftragt understerem zwei Norwegische Ingenieur-Offiziere, Kloumanund Lundh, letzterem der Marine-Lieutenant Skogman Undder Prof. Agardh aus Lund, als Gehülfen beigegeben.

Diese Arbeiten gehören unstreitig wegeq, des rauhenKlimas und der Unwirthlichkeit der Gegenden zu denschwierigsten und mühseligsten Messoperationen, die jemalsausgeführt wurden. Sie nahmen 1845 ihren Anfang. Han-steen brachte seinen Antheil 1850, Selander den seinigen1852 glücklich zum Abschluss.

Tenner hatte schon 1850 seinen südlichsten Endpunkthei Ismael an der Donau erreicht.

Hiermit war das 1817 begonnene Werk einer Grad-messung von der Donau bis zum Eismeere beendigt. Esbestand aus einer zusammenhängenden Triangulation, die259 Dreiecke zählte, von denen 225 auf den Russischenund 34 auf den Scandinavischen Antheil kommen. ZehnGrundlinien waren zur Controle und zur Vergleichung anverschiedenen Stellen des Bogens gemessen, und 13 Punktenach Polhöhe und Azimuth astronomisch bestimmt worden.

Noch ehe die Besarabische Messung vollständig been-digt war, hatte Tenner schon die Triangulation des König-reichs Polen begonnen, deren wissenschaftlicher Zweck da-rin bestand, die grossen geodätischen Operationen Russlandsmit denen des westlichen Europas in Zusammenhang zu