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§. 5. Abplattung der Erde aus Pendelbeobachtungen.
aber später neue und genauere Gradmessungen hinzu ka-men, zeigten sich beträchtliche Abweichungen. Bei nähe-rer Prüfung erkannte man auch die Mangelhaftigkeit deralten Pendellängcn und überzeugte sich, dass die obigeUebereinstimmung nur zufällig war und dass man sich vonder eigentlichen Lösung des Problems noch sehr fern be-finde. Dies entmuthigtc indessen nicht, und Frankreich,welches in den Gradmessungen mit einem so grossen Auf-wande von Kräften und Mitteln vorangegangen war, stelltesich auch hier wieder an die Spitze und regte Englandzum Nachfolgen an.
Auf Veranlassung der Pariser Akademie wurden LaPeyrouse bei seinen Entdeckungsreisen unveränderlichePendel-Apparate mitgegeben, die aber durch das Verun-glücken der Expedition keine Ausbeute lieferten.
Darauf fingen 1807 Biot, Arago, Chaix, Mathieu undBouvard an, die Pendellängen an den 6 Hauptstationen derfranzösischen Gradmessung (Formentera, Figeac, Bordeaux,Clermont, Paris und Dünkirchen) zu bestimmen.
Mathieu*) behandelte dieselben nach der Methode der
kleinsten Quadrate und fand die Abplattung = 2 \)g ~2
Später dehnte Biot die Messung der Pendellängen, diebis 1817 dauerten, auch auf Fort Leith und die Insel Unstin England aus und fand aus der südlichsten Beobachtungauf Formentera und der nördlichsten auf Unst, die 21° 4'Breitenunterschied haben, die Abplattung =
Diese Anstrengungen der französischen Gelehrten be-wogen nun auch die Engländer, eigene Beobachtungen zumachen, mit denen 1816 Capitain Kater auf Befehl des da-maligen Prinz-Regenten beauftragt wurde. Kater bestimmtezuerst die absolute Länge des Secundenpendels für Londonund dann die Pendellängen auf den 7 Hauptstationen der
*) Puissant, G&xWsie, Tom. II. p. 343.