Der Philosoph und sein Schneider.
1790 .
Einst wollte sich ein PhilosophNach eigener Erfindung kleiden.
Ein Schneider, welcher Stadt und HofBediente, ward, den Rock zu schneiden,Herbeigeholt. Er zog sein MatzBedeutungsvoll aus seiner Ficke.
,,Ei!" rief mit einem SeitenblickeDer Philosoph, „was brauch' ich das?
Hier ist mein Riß, der soll Euch leiten."
Der Schneider bringt BedenklichkeitenUnd kunsterfahrne Gründe vor.
„Thut meinen Willen," sprach der Weise,
Der gerne die Geduld verlor.
„Ein Doctor, der schon sieben PreiseBei der Akademie gewann,
Wird doch ein Kleid zu zeichnen wissen."
Der Schneider ging. Bei solchen SchlüssenVerstummt ein blöder Handwerksmann»
Er folgt dem Riß. Nach wenig TagenBringt er das Meisterstück getragen.
Der frohe Doctor paßt es an;
Es war auf englisch ausgenähetUnd ausgebügelt, doch zu weit.
Der Doctor spiegelt sich und schmähetDerb auf den Pfuscher. „Herr, das Kleid,