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Einundzwanzigster Band. Erster Theil.
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Fehler zu begehen, um eine größere Vollkommenheit desAusdrucks zu erreichen.

Alles scharfsinnig gesagt, aber Raphael beging keinenFehler, und zeigt auch nicht zwei Augenblicke zugleich. Werseinen Arm im Schlafrock, oder in irgend einem weitenGewände, so bewegt, daß er einen scharfen Winkel mit demEllbogen macht, bringt Falten in der Beugung hervor, de-ren einige bleiben, wenn der Arm wieder langsam aus-gestreckt wird. Ein Frauenzimmer im tasteten Kleide wirdim Gehen mit dem Knie, welches vorschreitet, eine Buchtins Zeuch drücken, ven der neck Spuren übrig sind, wennder andre Fuß schon nachkömmt. Es war also kein Künst-lerkniff, kein Betrug, um einen größere, Ausdruck zu errei-chen, sondern wahr geschulterte, nachdenklich gewählte Na-tur; dadurch wird Bewegung angedeutet, indem man Fal-ten ausdrückt, die, ohne eine bestimmte vorhergegangene Be-wegung, nickt da seyn könnten. „Aber nur im steifenZeuche," wird Lesstng antworten, „das in der Malerei nichtstaugt."

Die guten Maler aus der römischen Schule ahmten,wie Reynvld richtig anmerkt, keinen Stoff, keine Zeuche nach;man unterscheidet weder Tuch, noch Seide; es sind Falten,eö ist Draperie, und die Ursache leuchtet ein. Ich setze sienur darum her, weil ich mich nicht erinnere, sie irgendwogelesen zu haben. Man kann die Gattungen aller Zeuchebis zur höchsten Täuschung nachäffen; aber die Menschenge-stalt, die Farbe der Haut, die unendlichen Nüancen desFleisches, in verschiedenen Geschlechtern, Altern, Leiden-schaften, nach dem Grade der Beleuchtung und Haltung,bleiben immer, gegen die Natur, nur ein ähnliches Bild,ein Conterfei, Similituäo. Darum sitzen denn auch die ge-