gion, Erziehung, Vorurtheile, lagern sich überall in denWeg; aber es ist eine Frage, mein Freund, ob ein Volk, daSsich einschränkt in vaterländische Grenzen, nicht geschwinderseine Bildung vollendet, ob e« nicht an eigenem Gehalt, anIntensität gewinnt, wa» es an Ausbreitung verliert?
Die gute Gesellschaft in Frankreich ist weichlich, sanftund gefällig. Wenn ein Mund sich öffnet in der größten Der»sammlung, so schweigen die andern und horchen, mit einemschmachtenden Blick. Selbst der Ton der Stimme ist leise,wie der eines wieder genesenen Kranken; man widersprichtnicht, man bittet um Belehrung; man entscheidet nicht, manvermuthet nur; freilich wird nichts untersucht, nicht» abge-handelt, man übergleitet die Oberfläche allein, und faßt je-des Ding behutsam an, bei seinen äußersten Enden.
Bei dem Allen ist der Umgang nichts weniger als tole-rant. Eine ängstliche Furcht vor dem Lächerlichen herrschtdespotisch über den Geist. Niemand wagt es ein eigenes We-sen zu seyn, Jeder sieht sich nach einem Borbild um, das imBesitz ist, den Ton zu geben. Also stimmt sich Wendung,Witz und Sprache durchaus zum ermüdenden Einklang. Wahr-heit gefällt nur im Putze des Tags; man erträgt ein zier-liches Gesckwätz ohne Meinung, aber keine Weisheit ohneSchmuck- täglich wandeln Wörter aus dem Pallaste zumPöbel, täglich werden für die Genie» andere gemünzt. Selbstdie Gegenstände der Unterha'tung sind dem Eigensinn derMode unterworfen; nun ist Staatsökonomie die Fab l imDrama, und für die Episoden, Wohlthätigkeit. Es klingtlustig, eine junge Dame über den einzigen Jmpot und dieKornsperre mit vieler Salbung lispeln zu hören; mitunterdrängt sich ein« Geschichte aus den Affichen hervor, wie einSohn seinen Bater nicht verhungern lassen wollte, oder wie