Band 
Zweiundzwanzigster Band. Zweiter Theil.
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len» das ist hohes Künstlergenie. In so fern also die grie-chische Natur überhaupt die Natur unter einem rauher» Him-mel übertrifft, in so fern wird auch ein griechischer PhidiaSimmer einen niederländischen PhidiaS übertreffen, wären sieauch gleich mit einerlei Fähigkeit geboren. Wer aber unterden schönsten griechischen Statuen noch wählen, noch aus sol-chen ein Ideal zusammensetzen könnte, der würde mehr alsPhidiaS seyn.

Wir sind nicht auf dem Wege zu dieser Veredlung) dennwohin sich der Forscher der Schönheit wendet, findet er Ab-art der griechischen Kunst.

Es war eine Zeit, wo man die Forme« übertrieb, woHärte für Ausdruck, Krampf für Bewegung, und Athleten-kraft für edle Festigkeit galt,

— ürmosque per artus ioelusn insjeota«.

Michael Angelo ist nicht frei von diesem Fehler) Julio Ro-mans hat so den Raphael übersetzt, und Bernini war derHeld dieses Siyls) aber doch hielt der Mißbrauch gute Ver-hältnisse fest, anstatt daß Alles jetzt in verblasenen Umris-sen schwankt. In unserer rosenfarbenen, jungfräulichen Zeitsind wir fern, den Menschen zum Halbgott zu erheben» wirverniedlichen ihn lieber herab) unsere Venus liebäugelt wieeine Theatercokette, und unsere Hebe hat ihr Lächeln vordem Spiegel geübt. Seele sollte freilich jedes Kunstwerkathmen) aber nicht die wollüstige, manierte Heroidenseele,die aus unsern jugendlichen Köpfen schmachtet, und welchedie Entzückung der heiligen Therese eines französischen Mei-sters so zweideutig macht. Wollt ihr empfinden, wie edle