der Sitten in den Thälern des Berner Hochgebirge ist den-noch, wenn einzelne Thalschaften und selbst einzelne Gemein-den in den nämlichen Thälern mit einander verglichen werden,eine große Mannigfaltigkeit in dem ökonomischen Zustand, indem Verhältniß des Anwachses der Bevölkerung, und in derBenutzungsweise der Alpweiden; so daß, wer das Armen-wesen in seiner Tiefe und in seinem Umfange beschreibenwollte, auch alle jene Verhältnisse von Gemeinde zu Gemeindeseit entfernten Zeiten bis auf die heutigen auö einander sehenmüßte. Eine solche Arbeit, die der Verfasser später vorzu-nehmen hofft, hätte mit der Form einer Reisebeschreibung sichnicht vertragen, und es ist daher, mit beständiger Berücksich-tigung der landwirthschastlichen Eigenheiten, nur in allgemei-nen Zügen dargestellt worden, was auf das Ganze mehr oderweniger passend seyn mag. Dabei ist das Steigen der Be-völkerung bei fast gänzlichem Mangel der Industrie, die Zer-stückelung der Ländereien, die bebaut und bewohnt sind, undder wüste Zustand der Alpenweiden oder ihre unvollkommeneBenutzung — Thatsachen, die der Beurtheilung des Armen-wesenö vorangehen sollen — alö bekannt vorausgesetzt.
Auf allen Wanderungen durch das Alpengebirg ist derVerfasser vorzüglich bemüht gewesen, Thatsachen in Erfah-rung zu bringen, die seine Behauptung bekräftigen könnten:daß das Klima auf den Höhen unserer unbewohnten Berg-rücken und Thalgründe einem bessern Anbau derselben nichthinderlich sey, und daß unsere überfließende, in den mildernThälern zusammengedrängte, müßige, verarmende und alsounsittliche Bevölkerung in der Region der Voralpen und derAlpen sich ansiedeln könne. In dieser Absicht hat er die amhöchsten liegenden Dörfer und die rauhsten unter den bewohn-ten Thälern am liebsten besucht; die Thäler am Jnn und amDavoserftrom, die zwischen vier bis sechstausend Fuß überdem Meere liegen, haben am meisten ihn angezogen, und ihrAckerbau, und ihre Viehzucht haben den Gegenstand ausführ-