Band 
Dritter Band.
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frommen Bischof in Meißen zum Aushängeschild seiner Tu-gend und Frömmigkeit entlehnt hatte, und nicht minder imGeruch der Heiligkeit stand, als sein Namenspatron. Nie-mand wußte zu sagen, wer Benno eigentlich sey, noch vonwannen er kommen war. Vor langen Jahren langte er alsein rüstiger Pilger an, ließ sich in der Gegend des Schwa-nenfeldes *) nieder, erbauete eigenhändig eine artige Einsie-delei, pflanzte einen kleinen Garten umher, in welchem er dieherrlichste Baumschule von ausländischen Obstbäumen undTraubengeländer anlegte. Er zog darin auch süße Melonen,welche damals für eine große Leckerei gehalten wurden, undwomit er die Gäste, die bei ihm einsprachen, bewirthete undlabte. Seine Gastfreiheit machte ihn eben so beliebt, als seineheitere Gemüthsart. Die gebirgischen Einwohner wendetensich wegen seiner Frömmigkeit an ihn, als einen Anwalt undUnterhändler bei allerlei Nothdurft vor dem himmlischenTribunal, und er gewährte seine Vorspräche oft ganz entge-gengesetzten Wünschen mit großer Bereitwilligkeit ohne dieGebühr eines reichen Almosens. Gleichwohl fehlte es ihman keinem Bedürfniß des Lebens, vielmehr gab ihmder Segen des Himmels an Allem Ueberfluß. Ob indessenden frommen Benno ein himmlischer Beruf aus dem Geräuscheder Welt in seine einsame Klause trieb, oder ob ihm, wie demfrommen Abälard, eine Heloise zum kontemplativen Leben Be«

*) Eine lustige Gegend bei Zwickn», die noch jetzt diesen Na-men führet, und solchen, einer alten Velkrsage zufolge, voneiner gewissen Schwanhildis, so wie die Stadt den ihrigenvon deren Vater, dem Cygnus, erhalten haben soll. Beidegehören in'S Fecngeschlecht und stammen wahrscheinlich ausden Eiern der Leda her.