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antike Kriegslied an, das, seitdem Trauben gekeltert undMädcben sind geliebt worden, üblich gewesen ist, und welchesVater Weiße seinen Zeitgenossen wieder sangbar gemachthat: Ohne Lieb' und ohne Wein, was wär' unser Leben?Indem er seinem Pflegesohne den vollen Becher reichte unddieser redlich Bescheid that, trat er ihn traulich mit diesenWorten an: Mein Sohn, gib mir Antwort auf eine Fragean Dein Herz, aber gebiete ihm, daß e» kein Schalk sey,oder Dich selbst betrüge; auch bezähme'Deine Zunge, daßkein verlogenes Wort darüber gleite, denn so Tu erfundenwürdest, daß Du trüglich redetest, würde die Lüge Deine Zun-ge schwärzen, wie der Ruß einen Topf am Fcuerheerde.Darum sog' mir aufrichtig und sonder Trug, ist Frauenliebeje in Dein Herz kommen, und der süße Minnetrieb darinnenerwacht; oder schlafen noch die Gefühle zarter Leidenschaftin Deiner Seele ? Hast Du den Honigbecher keuscher Brunstgekostet, oder aus dem üppigen Kelch der Wollust getrunken?Nährst Du noch vielleicht geheime Liebesflamwen mit demHoffnungsöle, oder sind sie durch den Hauch des WankelmuthSerkaltet und erloschen, oder glimmt noch ein verborgenerFunke unter der Asche der Eifersucht? Seufzet eine Dirnenach Dir, die Deinen Augen gefiel, und Dich jetzt als einenTodten beweinet, oder Deiner Wiederkehr in'S Vaterlandharret mit sehnlichem Verlangen? Schleuß mir auf die Ge-heimnisse Deines Herzens, so soll sich das meinige gegenDick öffnen, daß ich Dir kund thue, was Dir lieb zu hörenseyn wirb.
Ehrwürdiger Vater, antwortete der truglose Schwab, wasmein Herz anlangt, so wisset, daß es nie der Liebe Fesselngetragen ha^inb annoch so frei ist, als der Vogel in derLuft von den^-tzen des Vogelstellers. Ich bin als ein jun-ger Gesell unter Kaiser AlberlS Fahnen gezwungen worden,