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Seine Aeltern, in der Absicht, ihn zu zerstreuen, und sei-nes Kummers Herr zu werden, brachten jetzt einen Liebl ngS-plan seiner Jvgendjahre in Wiederamegung, den Besuch derBergakademie zu Freiberg, und dort, angezogen durch Lieb-lingsbeschäftigung und im Kreise gebildeter, glücklicher Men-schen, kehrte bald Heiterkeit und Lebenelust in ihm zurück.Und was Niemand für möglich gehalten hatte, — er fandeine neue Geliebte. Des berühmten Mineralogen von Char-pentiers beizende Tochter ward seine zweite Verlobte. Erblieb in Freiberg bis zum Sommer 1799. Er wandte sichdann wieder nach Weißenfels, wo er bei'm Salinenamt An-stellung als Assessor erhielt. Um diese Zeit knüpfte er dieBande der innigsten Freundschaft mit Tieck und Fr. Schle-gel. Es entstand sein Ofterdingen, Zeuge seiner heiterenLebensansicht. — Aber gleichsam als gedächte mit gräßlicherIronie das Schicksal seiner einst täglichen Gebete — plötzlichrief ihn der Tod in's Jenseits. Er starb in den Armen sei-nes Friedrich Schlegel, im väterlichen Hause zu Weißen-. fels 1801. —
Novalis Persönlichkeit war im höchsten Grade lie-benswürdig und anziehend. ,,Jm Umgang mit Fremden,oder in großen gemischten Gesellschaften," sagt uns sein viel-jähriger Freund, der Kreishauptmann Just in Tennstädt,„war er wohl Stunden lang still, doch dabei aufmerksamerBeobachter dessen, was um ihn vorging, aber im traulichenZirkel desto beredter. Es war ihm überhaupt Bedürfniß,daß er sich ausreden konnte. Ganze Abende konnte manihm zuhören, und ward nicht n üde, ihn zu hören; denn dengemeinsten Gegenständen wußte er ein Interesse zu geben.Und wie sichtbar ward da seinen Freunden der Reichthum