Band 
Erster Theil.
Seite
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Sie zitterte erschrocken in meinen Armen. „WelchesUnglück ist Ihnen denn begegnet, daß es Ihren alten schönenMuth so ganz zermalmt hat?" sagte sie- „Ach, Friederike!"rief ich: „des Leidens ist mein Herz gewohnt; ich wolltewohl das schwerste Schicksal mit Lächeln begrüßen. Aber dieFreude ist mir ein ungewohnter Gast; gegen sie stehe ichganz ohne Waffe. Ich schäme mich, aber sie beugt michPhilosophen mit Zentnerlasten."

„Die Freude, Herr Doktor?" sagte Friederike erstaunt.

Wohlverstanden, ich war von Universitäten her blausterbooaruin -rtium, wollte aber aus modischer Bescheidenheitlieber Doktor der Philosophie, als Meister aller freienKünste heißen.

„Wissen Sie noch," rief ich, „als wir uns im Gartenvon SanSsouci zum ersten Male gestanden, wie lieb wirun» wären? Es sind nun neun Jahre! O Friederike!und den Schwur der Tugend und Liebe, den wir damalsunter dem sternenvollen Himmel vor dem Allgegenwärtigenschworen, haben wir, wenn gleich hoffnungslos, doch treugehalten, bis heute. Willst Du mir nun folgen, Friederike?setzte ich leiser hinzu und schüchtern, zum ersten Mal nannteich sie du — Dich erwartet eine ländliche Wohnung, einfreundlicher Garten, ein — willst Du mein Glück mit mirtheilen? — sieh' her, da ist die Vokation, ich bin Pfarrergeworden."

Sie las die Briefe. Das Entzücken umstrahlte ihr schö-nes Antlitz immer Heller, je weiter sie laS. So reizend warfle mir nie erschienen. Dann ließ sie die Hände sinken mitden Briefen, und sah stumm und erröthend zu mir empor,«nd über ihre Wangen perlten einige Thränen nieder. „Ich