64
baren Stelle, die mir Alles gewährte, was ich verlangenkonnte. Ob Pfarrer, ob Stallknecht, ob Generaladjutant,ob Magister oder Feldprediger — was kommt zuletzt dar-auf an? Der Mensch ist in jedem Rock doch immer dasBeste; schlimm genug, wenn der Rock das Beste vom Men-schen ist. Ich fuhr die Straße nach Polen. Wer weiß,dachte ich, ob du in den Wechseln deiner Schicksale nichtdem Kommando eines Armeekorps an den Ufern der Weich-sel entgegenkutscherst? Niemand verzweifele! ES gibt eineVorsehung. So finster es oft wird, so hell klärt sich's auf.Ich war in der besten Stimmung, zum Zeitvertreib einePredigt zum Behuf der mir designirten Pfarrei auszuarbei-ten, als ich im Mondschein vor mir auf der Straße einigeGewehre blitzen sah. Mein Kommissär bemerkte sie im glei-chen Augenblick, zog den Säbel und nahm eine Pistole zurHand, dessen Hahn er spannte. DaS Knacken des Hahnshinter mir trieb mir den kalten Schweiß aus.
„Lovgre, Louxre, zufahr, immere zu!" schrie er.
„Halt! wer da? halt! gui vive?" brüllten einige Sol-daten, die mir die Bayonnette ihrer Gewehre fast allzunahegegen die Rippen hielten.
Wem sollte ich gehorchen? Eine Nothlüge, hoffte ich,sollte mich aus der Verlegenheit ziehen. Da ich die Solda-ten für Franzosen hielt» die ihrem Regimente nachzügelten,rief ich, um ihnen etwas Ehrfurcht einzuflößen: „Monsieurs,mein Herr General ist französisch General!"
„Halt! ergebt Euch!" schrieen nun mehre Stimmen.
„b'ouäre!" rief der vorgebliche General, und sprang miteinem Satz aus dem Wagen, baß er zwei Kerls zu Bodenstürzte.