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Erst sah ich auf meine braven Pferde, bann auf meineReisegesellschafterin. Sie rieb sich mit beiden Händen dieAugen; ich rieb mir die meinigen. Dann sahen wir unsganz trocken einander an. Sie rieb sich wieder die Augen;ich mußte desgleichen thun, denn das Morgenroth hatte mich,glaube ich, blind gemacht. Ich sah sie wieder an; sie mich.Und nun erst war ich überzeugt, daß ich noch schlafe undvon Friederiken träume, denn sie saß, so kam eS mir jetztvor, neben mir.
„Aber, mein Gott, Herr Doktor, sind Sie es?" fragtesie mit ihrer leisen, schönen Silberstimme, und betrachtetebald mein Gesicht und den werdenden Schnurrbart — Ue-berrest meiner ehemaligen Generaladjutanten-Uniform —bald meinen beschmierten und zerrissenen Bauernkittel.
„Ach, Friedcrike!" rief ick, „wie kommen Sie hierher?und zu mir?"
Jetzt fragten wir nicht mehr. — Unsere Augen verdun-kelten sich jetzt an den Thränen wehmüthigen Entzückens —ich ließ das Leitseil fallen — wir schlössen Brust an Brust,Mund an Mund, und in langen Küssen tauschten wir Lebenum Leben, Seele um Seele.-O, wir hatten uns wie-
der, nach der langen, ewigen Trennung wieder! und wieunverhofft, wie wunderbar! Vergessen war aller Schmerzder Vergangenheit! Vergessen alles Elend des Lebens,meine Sorgen, ihre Thränen; vergessen jede Gewitterwolkeder Zukunft. Wir athmeten in einer schönern Welt. DasIrdische fiel von uns — Alles war selige Verklärung.
Nur der verruchte Prügeldamm, auf den der Wagenso unbarmherzig stieß, daß sich selbst unsere küssenden Lip-pen beständig von einander verloren und mühsam wiedersuchen mußten — nur der Prügeldamm, bei dessen Anlage