Buch 
5 (1863) Fünfter Band. Kopal–Ozon
Entstehung
Seite
198
JPEG-Download
 

198 Laus

hinten gekerbtem Leibe, grau gefärbt, mit einem braunen Seitenstreifen an Hals und Leib,bewohnt nur den behaarten Kopf, besonders der Kinder, niemals einen andern Theil, wandcraber zuweilen auf den Kleidern herum, um auf ein anderes Individuum überzugehen.Kleiderlaus (P. vestimenti) ist größer, weißlich, ganz einfarbig oder mit schwarzem Alittelfleck,sonst der Kopflaus ganz ähnlich. Sie wohnt in den Falten der Kleider, wandert auf die Hnubbesonders nachts, und zwar vorzugsweise auf die unbehaarten Stellen, wo sie sich auch einbohrtManchmal entwickelt sie sich in ungeheuerer Menge bei der sogenannten Läusekrankheit. D>rFilzlaus (Phthirius pubis, Fjg.2) endlich ist so abweichend gebaut, daß sie eine eigene Gattungbilden muß; der Körper sehr breit, abgeplattet, die Brust bis zur Unkenntlichkeit verkürzt, die vor-dern Füße eingliederig, die Hintern sehr stark und scharfkrallig. Sie wohnt in den behaarten Theile»des Körpers mit Ausnahme des Kopfes, vorzugsweise in den Schamtheilen und Achselhöhle»-gräbt Gänge in die Haut und verursacht das unerträglichste Jucken. Sie ist in südlichen Länder»so verbreitet, daß derjenige, der auf Reisen in Italien, Spanien und dem Orient nicht dur«Gasthof- und Dampfschifsbetten von ihr inficirt wurde, von Glück sagen kann.

Bei allen Läusen saugen beide Geschlechter Blut; die kleinern Männchen sind indeß selten-Die Eier sind flaschenförmig und werden mit dem engern Halse an ein Haar festgeklebt, svd»>'man sie leicht sehen kann. Auf den ungekämmten Haaren von Bettelkindern kann man oft Tau-sende solcher Nisse bei einiger Aufmerksamkeit finden. Das Junge kriecht innerhalb sechs Tagt»aus, gleicht schon ganz den Alten, saugt viel, häutet sich dreimal binnen 18 Tagen und psia»isich dann fort, sodaß, da jedes Weibchen wenigstens 50 Nisse legt, aus denen mindestens ^ .

Weibchen kommen, in einem Monate der KvAmit Läusen übersäet sein kann. Alan darf 1 l “daher nicht wundern, wenn Kinder, die alle Ta^regelmäßig gekämmt werden, dennoch zuweiP»aus der Schule eine ganze Colonic mitbringt»-Besonders etwas skrofulöse oder lymphatis^Kinder scheinen den geeignetsten Boden zur E»^Wickelung zu bieten, zumal wenn Kopfgrind vor-handen ist, der das energische Striegeln und Kä»»men der Kleinen nicht gestattet. Bei Erwacbsem»'findet man die Kopflaus jetzt, wo die Mode ziem-lich kurz geschorene Haare verlangt, selten; früb^freilich, konnte Schullehrcr Gräff sagen, bei de»hohen Pudcrfrisuren hielten die Läuse Casinoball. Kleider- und Filzläuse kommen dagegen »»'bei Erwachsenen vor.

Das erste und letzte Mittel gegen diese Schmarotzer ist Reinlichkeit. Tägliches Känmien u» 6zwar mit engen Kämmen, Baden des Körpers, öfteres Waschen des Kopfes mit Seifenwalst^werden in gewöhnlichen Fällen für Kinder und Erwachsene genügen. Wo man aber, wie i»'Felde, auf Märschen (alle Soldaten im Kriege haben Läuse, vom Tambour bis zum Marschesauf Reisen u. s. w., dieser Sorge nicht genügen kann, da hilft radical Nur die graue Quecksilbo^salbe, die auch, vernünftig gebraucht, nicht im entferntesten dem Menschen schadet. Manden Kopf über den Kamm, schmiert graue Salbe (Reutersalbe, Neapolitanersalbe) eines Erbskormgroß auf den Kopf und wäscht letztem mit Scifenwasser nach einer Stunde ab. Will man ^Haare erhalte», so braucht man nur dieselbe Procedur zwei-, dreimal in einigen Tagen zu wied^sholen. Nichts Lebendes auf Kopf und Körper widersteht dieser Cur. Alle andern Euren »j lverschiedenen ätherischen und brenzlichcn Oelen (Terpentin-, Lorber-, Tabacksöl), mit Sabat»samen u. s. w. sind ebenso ekelhaft als unzureichend. ^

Auf allen Hansthiercn finden sich besondere Arten echter Läuse mit Säugrüsseln, die » 1nie auf den Menschen übergehen.

Dann finden sich aber auch fast auf allen Säugethieren und Vögeln andere kleine Schmarotztinsekten, welche die Naturforschung Haarlinge (Trichodectes), Federlinge (Philopter»und Haftfüße (Liotheum) nennt und vor denen manche Hausfrau und Köchin als voreine unbegründete Furcht hat. Diese Thierchen übertragen sich nicht auf den Menschen, sienicht, sondern haben kauende Mundtheile, mit denen sie die feinen Wollhaare, den Flaum ^die Daunen benagen. Sind sie auch beim Abziehen oder Rupfen der Thiere auf den KörperMenschen gekommen, so beeilen sie sich, denselben so schnell als möglich wieder zu verlassen.

Flg. 1. Dir Kopflaus. Fig. 2. Die Filzlaus.