Negus Neid, Mißgunst 677
Eschenau aus der weinsberger und eilfingerhofer Gemarkung die erste Stelle ein, starke, markigeUnd bouquetreiche Weine, welche im Alter den Rhein- und Frankenweinen ähnlich werden. Diegeringern Sorten sind leicht und mild, wenig sauer, aber auch wenig haltbar. Den rothen Neckar-beinen durchaus ähnlich sind die Erzeugnisse des Tauberthals. Im Süden liefern die meist aus"ehmalluvium bestehenden nördlichen User des Bodensees die blaßrothen Seeweine, welchelung herb, sauer und wenig angenehm schmecken, durch Lagern sich indeß verfeinern. Früher^aren die alten Seeweine in den Kellern der oberschwäbischen Klöster berühmt und gesucht; jetztgehören gute alte Seeweine zu den Seltenheiten. Vortrefflich geeignet sind die Neckarweine zurFabrikation von Schaumwein. Die erste Fabrik dieser Art wurde von Keßler in Eßlingen ange-legt; andere in Stuttgart, Weinsberg u. s. w. sind gefolgt, und ihre Erzeugnisse finden aus-gedehnten Absatz.
NegUs. Ein warmes Getränk, welches sich vom Glühwein nur dadurch unterscheidet daßzuletzt etwas Muskatnuß daran gerieben wird. '
Neid, Misgunst. Durch die ganze belebte Welt geht ein leicht wahrnehmbarer Grundzugder jeden Organismus in immer wiederkehrender Weise zu Erneuerung und Vervollständigungseines Wesens hindrängt: es ist die Begierde. Begierig, nur sich selbst unbewußt, saugt diedem Sonnenbrände ausgesetzte Pflanze das erfrischende und erquickende Wasser ein, begierighascht das Thier nach Beute, begierig ergreift der Mensch die zur Förderung des Lebensprocesseszur Fortsetzung der Existenz erforderlichen Hülfsmittel. Die erste Regung des Kindes ist eineBegierde und der letzte Athemzug des Greises ist ein gleicher psychischer Vorgang. Begierden sindjeher die Triebfedern der Cultur gewesen, und an Begierden arbeitet der einzelne sich empor°ls auf die Höhenpunkte sittlicher Bildung. Nur wird dann der Charakter der Begierden geisti-3^r und edler, es tritt die sinnliche Richtung des Begehrens mehr und mehr in den Hintergrundund die Begierde bewegt sich in reinen, der eigentlichen menschlichen Bestimmung angemessenernSphären. Viele freilich erreichen diesen Gipfelpunkt der Bildung nicht, und in einem stetensuchen, Verlangen und Begehren nach schnell vergänglichen Gütern schließt sich ihre Thätigkeit• Da nun aber die Menschen ihrer gemeinsamen Naturanlage wegen auch in ihren Begierdenletea Uebereinstimmende haben, so kann leicht ein und dasselbe Object von verschiedenen Per-wnen zn gleicher Zeit begehrt werden. Ist dies aber der Fall, so werden Conflicte nicht aus-it u en ' ^cmben beide Theile gleiches Recht auf den Gegenstand zu haben, so wird Streit ent-bhen. 2ß enn aber auch das Rechtsbewußtsein einen derartigen Conflict verhindert oder beseitigt,(. slnn ein anderer rechtlich etwas besitzen, was man selbst nicht hat, gern haben möchte, viel-aber nicht zu erreichen vermag. Hier sind nun zwei Fälle möglich. Man verzichtet entwederöxg auf das wünschenswerthe Object ohne Rücksichtnahme auf den jeweiligen Besitzer desselben.b^Man bleibt in der Begierde nach dem Gegenstände beharren und vergegenwärtigt sich, wie«ucklich andere Person im Besitze desselben sich fühlt, während man sich selbst vergeblich ane ietbe Stelle versetzt zu sehen wünscht. Hierdurch entsteht ein Gefühl, das mit dem Namenbelegt worden ist. Es ist entschieden ein Unlustgefühl und mit vollem Rechte sagt daher^eidr- Sessure: „Der Neid ist eine Geisel, deren Opfer im stillen leiden, er ist ein nagender?uurm an dem Lebensfrieden und an der Tugend des Menschen, welcher ihm Aufnahme ge=jährte." Dieselbe Wirkung äußert die Misgunst, deren Unterschied vom Neide nur darin be-A, daß sie sich mehr auf den Besitzer als auf den Gegenstand des Besitzes bezieht, demnach'cht blos Unlust empfindet, wenn andere etwas besitzen, was sie nicht hat, sondern auch darüber,. andere daffelbe haben, was sie besitzt. Die Misgunst verhält sich ebenso wie die Schaden-nur daß diese sich über das Leid anderer freut, während jene sich über die Freude anderer^ert, und der Neid verhalt sich ebenso wie die Theilnahme, nur daß diese das Wohl des andern^wehron, jener aber vermindern möchte. Dabei ist der Neid regsamer und zur That bereit-^ 'Ser als die Misgunst, welche aus der Empfindung nicht herauszutreten bemüht ist, obgleich^ "bthe im Vergleich mit dem Hasse auch sehr richtig sagt, daß dieser ein actives Misvergnügen,^ a k er bin passives sei und daß man sich deshalb nicht wundern dürfe, wenn der Neid-"E den Haß übergeht. Darin aber stimmen Neid und Misgunst miteinander überein,d sie dj§ Seele aus dem Gefühl des Misvergnügens gar nicht herauskommen lassen. Sieiück ^ bein Menschen einen Ausdruck von unschöner Traurigkeit, die sich besonders durch einen^bnden, heimlich verlangenden Blick und einen gereizten Zug des Mundes aussprechen.l>ei „."^nig nun aber diese beiden Gemüthszustände den Menschen selbst erfreuen können und^.-.^dherer Ausdehnung nothwendig zur Verödung des Gemüths hinführen müssen, sodaß^brning mit gutem Grunde sagen konnte: