Obstzucht 737
^len Sorten ohne dieses Verfahren die Zweige bald nackt wären. Ein anderer Vortheil liegtm der gleichmäßigen Vertheilung der Früchte an dem Baume. Nachdem aber durch den Schnittguter Theil des Bildungssaftes, der unnützen Zweigen zukommen würde, den Früchten zugute°°Mmt, werden diese um so viel schmackhafter. Die Perioden jedes Schnitts sind zwei. Die erste,des Winterschnitts, gleich im ersten Frühling, die des Sommerschnitts im Sommer während°°r Wachsthumsperiodc. Die Zeit, welche für den Winterschnitt die günstigste ist, bleibt immerWinterperiode nach den schärfsten Frösten, also nachdem der Februar vorbei ist. Jede andereZeit ist nachtheilig. Während großer Kälte schneidet es sich sehr schwer, und man kann oft wenigerSchneiden als von Reißen sprechen. Thut »ran es früher, so sind die frischen Wunden dem^-nflus; der Kälte ausgesetzt und leiden oft sehr schwer. Am schlimmsten aber ist es, wenn mand^u Schnitt zu jener Zeit vornimmt, wo die Knospen bereits geschwollen sind. Starke „Blutungen"UUL die Folge. Auch ist man der Gefahr ausgesetzt, viele Knospen bei Vornahme des Processesö" zerbrechen. In warmen Gegenden, wo man keine wesentlichen Winterfröste zu fürchten hat,U'wmt man den Schnitt schon vor Wintersanfang vor. Immer richtet man sich in der Reihen-l°lge der Schnittvornahme nach der Reihenfolge der Entwickelung. Man muß sich beim SchnittAnzahl leitender Grundsätze einprägen, welche über allen andern Einzelheiten stehe»: Es sindfolgende. Sind Zweige kurz zurückgeschnitten, so geben ihre Augen viel stärkere Triebe als bei'ucht zurückgeschnittenen. Es gehört wenig Ueberlegung dazu, um zu begreifen, wie es 2 — 3«tilgen wohl sein muß, mit jenem Saft.genährt zu werden, der unter gewöhnlichem Verhältnißlüt ein Vielfaches ihrer Anzahl bestimmt gewesen wäre. Hat man Bäume vor sich, die durch allzuweichliches Tragen von Kräften gekommen sind, so thut man gut, durch tüchtiges Zurückschneidenfie zu neuer Kraft zu stärken. Beabsichtigt man Holztriebe zu erlangen, so schneidet man beson-ders kurz, da sehr kräftige Triebe in der Regel fruchtarm sind. Will man Fruchtzweige, so lasseMan längere Triebe, da schwächere Triebe eher Frucht geben. Der Saft geht immer am besten"ach dem Ende der Zweige. Das sieht man ja mit Leichtigkeit an der Mehrzahl der Zweige, diegerade aufgerichtet sind, wo das Endauge das vollkommenste ist. Demnach sucht man, sobald manschönes Laubholz wünscht, sich ein recht gutes Auge aus und schneidet oberhalb desselben den Zweigab und richtet das Gelassene gerade. Sind die Verästelungen eines Baums vielfacher, so wird derSaft in seinem Laufe gehemmt sein und infolge dessen der Fruchtknospe zugute kommen. Es gibt nuneine Anzahl mit diesem Princip zusammenhängende Regeln, welche von g«ßem Nutzen sind. Mandarf das eigentliche Laubholz, die im vergangenen Jahre getriebenen Zweige nur wenig zurück-schneiden. Dagegen soll man die Seitentriebe des Laubholzes einkneipen und hinabdreheu, um dieHauptkraft der Verlängerung des Laubholzcs zu widmen. Die Zweige des Laubholzes beugt manmöglichst herab, um die Unterstützung der Fruchtaugen zu heben. Manche machen ringförmige Ein-'schnitte (Zanbcrringe), um damit eine um so größere Fruchtbarkeit hervorzubringen. Wir könnenwlchen Kunststücken auf Kosten der Zukunft unsern Beifall nicht spenden. Andere rathen an,bie Wurzeln zum Theil dem Einfluß des Lichts preiszugeben, um damit die Triebkraft des Baumesä" stemmen und die Entwickelung von Frnchtknospcn zu steigern. Wieder andere wollen gar, daß" 1(l " im Frühling die von Erde befreiten Hauptwurzeln der Bäume verstutze. Das ist noch vielöesährlicher als die vorigen Mittel und nur bei solchen Bäumen anzuwenden, die eine regelwidrigeUeppigkeit haben. Man erreicht ebenfalls eine starke Entwickelung von Fruchtknospen, wenn manBaum im Herbst verpflanzt. Eine andere Aufgabe ist, die jungen Schosse möglichst einzu-tränken und die Saftströmung den Früchten zuzuweisen; denn es ist eine offenkundige Thatsache,°"ß das Gedeihen dieser ün Antagonismus zu dem Gedeihen der Holzschosse steht. Man kannMehrfach auf dieses Ziel zugehen. Zunächst möge man feine Obstarten aus solche Stämme veredeln,Mager wachsenden Formen angehören. Man suche durch passenden Schnitt jedem einzelnen?""Me das ibm gebührende Gleichgewicht zu geben. Besonders ist hierbei das sommerliche Ein-"'«den sehr wichtig. Das Tragholz halte man möglichst kurz und lasse es nicht allzu weit sich^dehnen oder ungleich vertheilt sein. Sind die Früchte znzahlreich, so entferne man denUeberfluß.
. e * Rest gewinnt an Schönheit und an Schmackhaftigkeit. Wo man es haben kann, also beson-an Spalieren, stütze man die einzelnen Früchte. Es hat sich oft genug herausgestellt, welchen. "ßen ihnen das bringt. Man findet ab und zu solche, die zufällig auf eine Stütze zu liegen">eu. Diese sind allemal größer und schöner. Es möchte scheinen, daß die Stiele durch dieLast des Fruchtgewichts in der That leiden. Je mehr die Früchte dem Licht ausgesetzt^en, um so besser fallen sie aus. Man hat besonders bei Birnen durch wiederholtes abend-^ kleberspntzen derselben mit Eisenvitrivllösungcn außerordentliche Vergrößerung derselbenund Familien-,r'eM». V. 47