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5 (1863) Fünfter Band. Kopal–Ozon
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742
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742 Oculiren

Salz in wasserfreies Eisenoxyd übergegangen ist, roth in vielfachen Schattirungen, decken schl^und können deshalb in der Oelmalerei nur als Lasurfarben gebraucht werden; sie dienen aberhäufig zu Kalkanstrichen und als Oelfarbe auf Holz zur Nachahmung des Mahagoni. Die nian-ganreichen dunkelbraunen Ocher aus der Umgegend von Camsdorf in Thüringen liefern geschlämwvortrefflich deckende Oel- und Wasserfarben, welche namentlich in der Tapetenfabrikation gesustsind. Sie figuriren in den Preiscouranten der Farbenfabriken als Umbraune; auch sie werdethäufig gebrannt und erhalten dadurch einen lebhaft rothbraunen Ton. .

Oculircn, Aeugeln, ist die beliebteste Veredlungsmethode. Dieselbe besteht darin, bapman einzelne Augen neuer Schosse edler Arten von Obstsorten mit darum liegender Rinde au»'^löst und in eine einem Wildling eingeschnittene Oeffnung der Rinde einsetzt und so lange ver-bunden hält, bis das Auge angewachsen ist und sich entwickelt.

Das Oculiren verrichtet man mit dem Oculirmesser. Dasselbe hat eine vorn halbmo»^förmig gekrümmte, spitze Klinge, welche sehr scharf gehalten wird. Andere haben es lieber g erai '. J .und mit runder, breiter Spitze. Allemal muß die Klinge dünn sein. Das Heft ist etwasund nach oben etwas verdickt, damit es fest in der Hand liegt. Am entgegengesetzten Ende bringt'^einen Schnabel von hartem Holz oder besser von Elfenbein an, um die Rinde zu lösen.Augen, die man benutzen will, sollen die schönsten sein. Man suche sie an den Edelreisern aUl 'In der Regel sind es die untersten, welche die besten sind. Man schneidet sie so aus, daß &’ e jselben auch noch etwas Rinde haben. Man nennt dieses Stückchen den Schild. Selten sehnen^man runde, allgemein eckige Schilde und zwar vier- bis sechseckige. Man muß dabei besonderbedacht sein, mit einer gleichmäßigen Bewegung das Auge ausznheben, sonst läuft man Gest?'den innern Theil der Knospe loszulösen, das; er sich bewegt und atrophisch wird. .

Das Einsetzen des Schildes muß sogleich stattfinden. Man beginnt damit, am EndeOculirmesscrs an der westlichen oder östlichen Seite des Wildlings einen Schnitt zu führen 111mit der Elfenbeinschneide des Oculirmesiers die Rinde so weit zu lösen, bis man den Schild e»stschieben kann, damit er den Platz der weggeschobenen Rinde ausfüllt. Man muß sorglich dchdachten, daß sein Rand accurat der Rinde des Wildlings sich anpaßt. Man drückt die Seitens ^Einschnitts fest an, läßt keine Lücken und umwickelt das Ganze mit Bast oder einem Wollst? '

indem man bis auf das Auge die ganze Operationsfläche zudeckt. Später überzeugt man t 1 '

daß die Bandage nicht einschneidet. Ist es aber der Fall, so muß man sorglich lüften.das Auge anschwillt, hat man den Beweis, das; die Oculirung gelungen ist. Der drestwiAusschnitt hat bald den Querschnitt oben, bald unten.

Eine Hauptbedingung zu glücklichem Aeugeln ist die, das; die Rinde sich sowol am zu Bledelnden als am veredelten Zweig oder Stamm leicht ablöse. Man probirt das, indem > n ‘über der betreffenden Stelle etwa um einen halben Fuß Abstand einen Einschnitt von 3°^. . cmacht. Löst sich da die Rinde mit Leichtigkeit vom Stamm, so steht alles gut. Ist aber die

vorher stark gewesen, so gelingt in der Regel die Lösung nicht und man warte lieber. j,

Man oculirt zu verschiedenen Zeiten. Oculirt man im Spätsommer, so bleibt das Augf ^Winter über ohne sich weiter zu entwickeln, es schläft. Man nennt das das Oculiren ausschlafende Auge. Das gewöhnliche Oculiren könnte man im Gegensatz das auf dasAuge nennen. Man kann es im ersten Frühling oder nach dem Johannistriebe 1»«^Die Frühlingsocnlirung hat das Schwierige, daß das oft sehr kalte Wetter die Rinde zu f^, ;,;tDazu ist es unbequem, weil der Blattstiel als Richtscheide fehlt. Will man in der Johannmistoculiren, so nehme man Zweige desselben Jahres mit leidlich gereiftem Holze. Das Auge 11ganz entwickelt sein und sich nicht etwa noch weich anfühlen. ^

Das Oculiren ist nur bei solchen Bäumchen und Reisern gut thunlich, welche 1—3 Jalst £Rinde haben. Es gehört eine gewisse Biegsamkeit dazu, das Schild des Auges unter die Laptdes Einschnitts einzufügen. Bevor die Saftperiode beginnt, nimmt man möglichst viel u ^flüssige Zweige dem Baum, damit die oculirten Aeste um so besser gedeihen. Hat man ja cwährend der Saftperiode beschnitten, so muß man mit Baumwachs verkleben. .$

Mcm hüte sich einen spät durch Oculiren auf das schlafende Auge veredelten 8^9Beschneidung zum Triebe im Herbst zu reizen, wozu besonders Mandeln, Pfirsichen und ÄMsich geneigt zeigen. Der Winter tödtet diese Schosse regelmäßig. w ti,

Bian ist sogar im Stande, in ältere Stämme, welche starke und geborstene Rinde ha ^noch zu oculiren. Man schneidet nämlich in die Rinde eine runde Platte. Dem Edelreistman ein völlig entsprechendes Schild, setzt dasselbe so dicht wie möglich schließend ein un ^streicht die etwaige Lücke mit Baumwachs. So kamt man einem Baume, der durch einzelne