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5 (1863) Fünfter Band. Kopal–Ozon
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namentlich durch den erwähnten Umstand veranlaßt, daß man Ozon aus „trockenem" Sauerstoffqasdurch Elektricität erzeugen könne, und daß diejenigen Versuche, welche direct jenes hypothetischeWasserstoffsuperoxyd herzustellen bestrebt waren, keine Resultate ergeben haben. Diese Ansichtging in die meisten Lehrbücher der Chemie über, und man unterschied seitdem den gewöhnlichenSauerstoff von dem ozonisirten oder activen Sauerstoff, d. i. Sauerstoff, welcher fähig istchemische Verbindungen einzugehen, während der gewöhnliche Sauerstoff sich in den meistenFällen mehr passiv verhält und erst unter besonders günstigen Umständen seine oxydirendenWirkungen äußert. Diese Ansicht wurde später von dem Entdecker des Ozons, von Schönbein,selbst adoptirt, und gerade er vertrat sie mit großer Wärme. Indem er eifrig an diesem Gegen-stände arbeitete, bereicherte er die Wissenschaft durch eine Fülle von höchst interessanten Reactionenund Eigenschaften des Ozons, welche das Interesse nicht nur der Chemiker, sondern auch derLaien lebhaft in Anspruch nahmen. Er ging in seinen theoretischen Betrachtungen, welche sichmeist immer nur um die erwähnte Ansicht drehten, daß das Ozon nichts anderes als Sauerstoffsei, noch einen Schritt weiter und suchte durch Versuche darzuthun, daß eigentlich bei jederOperation der Sauerstoff, bevor er sich mit dem betreffenden Körper verbinden könne, in denZustand des Ozons übergehe, d. h. daß er erst ozonisirt oder activ werden muffe,- so bei jederVerbrennung mit Flamme, so ferner bei jeder langsamen Oxydation, wie z. B. bei dem Ath-wungsproceß der Thiere, bei dem Verwesungsproceß u. s. w. In ein ganz neues Stadium istdie Ozonfrage in den letzten Jahren getreten, wo durch Schönbein noch andere zur Zeit durch-aus unerwartete Thatsachen bekannt wurden, welche an Interesse noch die frühern übertrafen.Obwol es unmöglich ist, an diesem Orte eine vollständige Auseinandersetzung gerade dieses Theilsder Frage zu geben, so halten wir es doch im Interesse der Sache geboten, wenigstens die Grund-Züge davon anzugeben. Unter denjenigen sauerstoffhaltigen Substanzen, welche bei ihrem Zerfallenden Sauerstoff namentlich im sogenannten ozonisirten Zustande abgeben, befindet sich eine Klassedvn Körpern, welche man Superoxyde nennt, das sind Verbindungen von Elementen oder Radi-kalen mit einer verhältnißmäßig großen Menge von Sauerstoff. Die meisten dieser Körper besitzendine sehr geringe Stabilität; sie zerfallen schon häufig bei der Berührung mit festen Körpern,^kr Sauerstoff, der in diesem Zustande austritt, hat dann meist eine energische Wirkung. Hierhergehört außer dem schon erwähnten Wasserstoffsuperoxyd das Bariumsuperoxyd, ferner die Ueber-wangansäure, das Bleisuperoxyd und mehrere andere. Schönbein zeigte nun, daß es ganz wider dieErwartung Fälle geben könne, wo solche Körper keine oxydirenden, sondern reducirende Eigenschaftenesttzen, y. h, sie an einen andern Körper, mit dem sie in Berührung kommen, keinen Säuer-est abgeben, sondern ihm denselben entziehen. So wird z. B., wenn man Wafferstoffsuper-°khd und Silberoxyd zusammenbringt, das Silber von seinem Sauerstoff befreit, ganz ebensogut aber auch das Wasserstoffsuperoxyd; beide geben ihren Sauerstoff ab, welcher sich freid a entwickelt, und zurückbleibt Wasser und metallisches Silber. Aehnlich verhält sich

a ^Wasserstoffsuperoxyd gegen das Bleisuperoxyd und gegen die Uebermangansäure; jenes wirdZU Bleioxyd, dieses zu Manganoxydul reducirt, während das Wasserstoffsuperoxyd wieder Waffer3) a j, ei Jeigt eg sich nun, daß gewisse Körper mit dem Wasserstoffsuperoxyd insofern eineÄhnlichkeit haben, als sie genau dieselben Wirkungen hervorbringen, z. B. das Bariumsuperoxyd;

andern der genannten Superoxyde indessen verhalten sich zu diesen letztern gerade entgegen-setzt. Wasserstoffsuperoxyd vermag nämlich aus Bariumoxyd Bariumsuperoxyd zu machen,Bleioxyd und die Uebermangansäure nicht. Umgekehrt vermag das Ozon, welches aus derUebermangansäure entwickelt wird, das Bleioxyd höher, zu Bleisuperoxyd zu oxydiren. Mit Einem^°rte, die Gegensätze, welche sich nun zeigten, dienten als Ausgangspunkte der Ansicht, daß esZ>vei Arten von oxydirten Körpern gäbe, in welchen der Sauerstoff in entgegengesetztem Zustandevorhanden sei, und daß daher der Sauerstoff selbst außer seiner gewöhnlichen nicht activen Modi-stcativn noch zwei active Modificationen haben müsse, welche sich wie entgegengesetzte Grüßenverhalten. Aus diesem Grunde unterschied Schönbein ft- activen und — activen Sauerstoff,^er letztere war das Ozon, und dem entsprechend wurde der erstere Antozon genannt. Hier-üaeh wurden auch die beiden Klassen her Oxyde eingetheilt in Ozonide, d. h. solche, welche^Zvn, und in Antozonide oder solche, welche Antozon enthielten. Treffen beide entgegen-gesetzten Sauerstoffarten aufeinander, so verbinden sie sich gegenseitig und bilden neutralen, nichtactiven, also gewöhnlichen Sauerstoff. Kurzum, der Sauerstoff würde hiernach nicht mehr alseinfacher Körper zu betrachten,'sondern in zwei verschiedene Elemente zerlegbar sein.

Die Reactionen, welche in der ersten Zeit nach dieser Entdeckung zur Kenntniß des PublikumsHous- und Familien-Lerilon. V. 50