Vierter Theil.
257
einst sehr berühmt waren. Das, aus der Seide gewonnene,flüchtige Alkali hielt man damals für eine, in keinem andernKörper enthaltene Substanz und schrieb ihm eigenthümliche Lu-genden zu. Eben so hielt man eine geraume Zeit das Wein-steinsalz und das Sub-Earbonat von Potasche, für zwei ganzverschiedene Substanzen. Der Chemiker hatte damals nochnicht gelernt, zu generalisiren und begriff es gleichfalls noch nicht,daß dieselbe Substanz weder von Beschaffenheit, noch in irgendeiner Eigenthümlichkeit verschieden, von vielen, anscheinend ganzverschiedenartigen Körpern, zu erhalten sei.
Ehe die chemischen Entdeckungen dem Fluge der Phan-tasie Einhalt gethan und die vielen, eben so fein oft ersonnenen,als unbegründeten Unterscheidungen vernichtet hatten, enthieltder chemische Katalog eine merkwürdige Nvmenclatur, die, wiewan jetzt eingesehen, auf Unwissenheit und Worurtheil beruhte.Das Licht der Wissenschaft hat seitdem den Schleier von vielenNaturgesetzen hinweggezogen und sie in der schönen Einfachheitihrer Elemente dargestellt. Viele complicirte Mysterien und un-bestimmte Dunkelheiten, welche bis dahin die Ausübung derPharmacie, durch wenig verstandene Begriffe umhüllten, wurdenNeuerdings gleichfalls zerstreut.
Die Seidenart, wovon gewöhnlich die Taschentücher ge-webt sind, soll ein Präservativ gegen ansteckende Krankheiten sein.Wenn es gegründet ist, daß der Ansteckungsstvff durch die Lun-gen aufgenommen wird, so dürfte allerdings dieses einfache Prä-servativ als wirksam anzunehmen sein. Das schwächste chemischeAgens zersetzt bekanntlich jedes Krankheitsgift. Wahrscheinlichbildet nun die den Lungen entströmende heiße Lust ein solchesAgens in dem seidnen Schleier, welches das Krankhcitsgift aufdem Wege zum Munde zersetzt. Zugleich mag im Allgemeinendas Seidengewebe als ein Nichtleiter anzusehen sein, der giftigenEinflüssen widersteht *).
Pomet's Geschichte der Apothckerwaaren, sagt uns, daßwan zu seiner Zeit die Seidencocons, puiverisirt, als Arznei ge-8°ben habe. Sein Werk enthält weitläufige Anweisungen überdessen Bereitung und die Act, wie die Chrysalis gänzlich vonden Theilen, die man von medicinischen Kräften hielt, getrenntwurden. Die also präparirte Seide besitzt nach Pomets Ver-sicherung die Eigenschaft, -das Blut zu reinigen, den Geist zu
slnviml kegister für 1829 , vol. illXXI.
Sriderimanufattur.
17