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1 (1860) Erster Band. Aachener Bäder - Baryt und Barytsalze
Entstehung
Seite
XII
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xn Vorwort \

wir ihn füglich auf sich beruhen lassen. Oder stünde wol der, welcher nach einer Lecture über sOpiumvergiftnng Bedenken trägt, das für seinen Zustand Passende und vom Arzt verordnete -

Opium zu nehmen, auf einer andern Stufe als jener reinliche und besorgte Mann, der '

sich nicht mehr überwinden konnte, klares Brunnenwasser zu trinken, nachdem ihm dasSonnenmikroskop einst scheußliche ellenlange Würmer in einem Tropfen Teichwasser gezeigthatte? Allerdings hat immer eingebildete Kranke gegeben/ aber die beste Medicin dagegenist und bleibt stets Wissen, rechtes Wissen, dann schwinden alle Illusionen von selbst. j

Wie die Medicin für das leibliche Wohl der Familienglieder sorgt, so lehrt andererseits die fPädagogik das moralische und intcllcctncllc-Bestc derselben fördern. Wer da behauptet, daßdaS Geschick der ganzen Menschheit auf der Erziehung beruht, der hat eben nur die erhabeneAufgabe dieser Wissenschaft richtig begriffen. Fragt man aber, was zu einer vernünftigenErziehung gehört, so möchte man freilich daran verzweifeln, daß Mcnschenwcrke hier jemalsbemerkenswcrthe Erfolge ernten können. Nirgends, man darf es dreist behaupten, stehen dieMittel meist in so schreiendem MiSverhältnissc zu den Zwecken als gerade hier. Währendder Mann im Leben durch Einsicht und Energie oft spielend die größten Schwierigkeiten über-windet, vermag er nicht den Willen des Knaben, dessen Schicksal die Natur zum größtenTheil in seine Hand gelegt hat, in die rechte Bahn zu lenken und den geistigen Fähigkeitendesselben gerade in der Zeit, wo eine weise Führung das dringendste Bcdiirfnis; wäre, dienöthige Leitung und Pflege angcdeihen zu lassen. Ebenso bricht die ganze Kraft der Mutterbei dem allerbesten Willen vielleicht an einem trüben Blick des Kindes in nichts zusammen, undder Liebling ihres Herzens, auf den sie die ganze Fülle ihrer Sorgfalt ausschütten möchte,erstarkt in Fehlern des Gemüths, die sie an andern mit größter Indignation misbilligt undunnachsichtig ahndet. Woher nun kommen diese großen Ucbclständc? Sind sie zu heben, undwie? Die Pädagogik antwortet hierauf mit einem entschiedenen Ja! Aber sie verlangt, wennsie Hülfe bringen soll, das anfmcrksamstc Gehör und die strengste Befolgung ihrer Lehren.

Wir glauben, daß die Abschnitte des vorliegenden Werks, welche der Erziehungswissenschaftgewidmet sind, einen nicht werthlosen Beitrag znr Verbreitung von Kenntnissen liefern werden,welche so recht zum Eigenthum der ganzen Nation zu werden verdienen. Wir hoffen diesum so mehr, als bis in die neueste Zeit hinein dic speculative und praktische Pädagogik meist nurvon akademischen Lehrstühlcn herab gepredigt wurde und sich in der Hand derer befand, welchein der Jugenderziehung ihren speciellen Berns erblicken. Möchten die. mit mariner Liebe vor-getragenen und auf vielfältiger Erfahrung beruhenden Andeutungen und Winke in den Herzender Aeltern und Erzieher nicht nngehört verhallen! Dann dürfte daS Haus- und Familien-Lexikon einem wichtigen Theile seiner Aufgabe gerecht werden/ Ueber die Art, wie wir denreichhaltigen Stoff vertheilt und behandelt haben, sei nur erwähnt, daß wir allen den geistigenFähigkeiten und moralischen Eigenschaften, denen die Erziehung vor allem ihre Anfmcrksamkcitzuwenden muß, besondere Artikel widmen und darin mit möglichster Beschränkung destheoretischen Theils direct auf die praktischen Gesichtspunkte hinweisen, welche bei der Culturder betreffenden Gegenstände zu beachten sind. Außerdem behandeln wir noch unter besondernRubriken die wichtigsten pädagogischen Hülfsmittel, deren Benutzung von den wenigstengekannt und deren Werth meist tibersehen wird.

Ein Haus- und Familienbuch soll aber auch den nntergeordnetern äußern Bedürf-nissen des Lebens eine genügende Beachtung schenken. Schon bei einer oberflächlichen Durch-musterung des vorliegenden ersten Bandes wird man finden, daß wir die Bedeutung allerhierher gehörigen Dinge nicht unterschätzt haben. Wir geben Winke, Rathschläge und, wennnöthig, ganz ausführliche Anleitungen über die Einrichtung der Wohnung, die Anordnung derMöbel und Decoration der Zimmer, über die Erhaltung und Reinigung von Waschgegen-ständen, über die Zubereitung und Aufbewahrung der Nahrungs- und Gennßmittel und überden Werth, die Benutzung und Instandhaltung der Kleidung alles Gegenstände, deren Uebcr-wachnng vornehmlich dem Wirkungskreise der Hausfrau angehört. Wir liefern ferner manches