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Ballspiel
ausnahmslos in Ballen an, während sich der Preis dieser so wichtigen Waare für das Gewicht(das Pfund u. s. w.) versteht. Gleichwol ist der Ballen bei der Baumwolle durchaus kein strengermetrologischer Begriff, vielmehr ist der Ballen Baumwolle je nach den Ländern und ihren einzelnenDistricten sowie nach den Sorten von sehr verschiedenem Gewicht, welches sich auch nicht zu allenZeiten gleich geblieben ist; Verbesserungen im Pressen und Packen behufs der Ersparung vonUnkosten bei Emballage und Fracht bewirkten eine fortwährende Vergrößerung des Gewichts derBallen. Von der Baumwolle der Vereinigten Staaten Nordamerikas wog im Jahre 1790 derBallen nur 200 (englische) Pfd., 1824 durchschnittlich 266 Pfd., 1832 etwa 310 Pfd., 1836etwa 319 Pfd.; 1832 schätzte man den Ballen Uplandbaumwolle anf 320, Sea-Jslandbanm-wolle auf 280 Pfd. Der ägyptische Ballen wog früher nur 90 englische Pfund und wiegt jetztmehr als dreimal so viel; der brasilische dagegen, früher 180 Pfd. schwer, wiegt jetzt nur 160 englischePfund. Neuere englische Annahmen geben den Ballen Alabama-, Louisiana- und Mississippi-Baumwolle zu 500, Georgia-Baumwolle zu 375, Südcaroliua-Baumwolle zu 362 englischePfund an; eine völlige Gleichheit des Ballens selbst der nämlichen Sorten und der nämlichenZeit findet nicht statt. Die im Jahre 1852 in Liverpool eingeführte Baumwolle zeigte folgendeDurchschnittsergebnisse an Gewicht und kubischem Inhalt für den Ballen der nachstehenden Sorten:
Gewicht. Rauminhalt.
Gattung. Englische Pfund. Englische Kubiksuß.
Mobile ...... 504. 82
Neuorleans..... 454 . 32
Upland :.390.27
Ostindische ..... 383 .. 15
Sea-Island..... 333 . 35
Aegyptische ..... 245 . 27
Westindische .... 212 ...... 25
Brasilische ..... 182 ...... 17
Aus dieser Uebersicht ergibt sich nächst der großen Verschiedenheit derBallen auch dieThatsache,daß die Verpackung der vstindischen Baumwolle die festeste ist, indem in dem gleichen Raumebei ihr, verglichen mit andern Sorten, durchschnittlich die doppelte Gcwichtsmenge enthalten ist.
Ballspiel. Das Ballspiel stand von alter» her in hoher Anerkennung und wurde von denmeisten Culturvölkern fleißig geübt, und zwar mit vollem Recht, denn nicht leicht möchte es einanderes Spiel geben, welches in gleichem Maße wie dieses Unterhaltung bietet und dabei,demKörper zu einer passenden Bewegung Gelegenheit gibt. Bei den Griechen bildete es als Sphä-ristik einen besondern Zweig der Gyinnastik und wurde in gleicher Weise von Knaben, Jünglingenund Männern, in Sparta auch von Mädchen geübt. Auch die Römer kannten mehrere Modi-fieationen des Ballspiels, und während des ganzen Mittelalters blieb es in voller Achtung.Gegenwärtig ist es leider fast nur in Frankreich, England und Italien noch ein Spiel für Erwach-sene, während es in Deutschland ausschließlich von der Jugend betrieben wird.
Wir heben aus den vielfachen Modificationen, die man dem Ballspiele im Laufe der Zeitgegeben hat, nur einige der interessantesten heraus, welche dann in der Praxis je nach demBedürfnisse der Spielenden selbst wieder auf mancherlei Weise variirt werden können. Die ein-fachste Art ist der Fangball, wobei es entweder nur darauf ankommt, den frei in die Lüft oderan eine Wand geworfenen Ball mit einer oder mit beiden Händen zu fangen, oder mit demgefangenen Ball noch andere Uebungen vorzunehmen. Im letztem Falle wird das Spiel ambesten von fünf oder mehreren Personen ausgeführt. Der Werfende ruft, nachdem er geworfen,einen der Mitspielenden auf. Dieser hat den Ball zu fangen; gelingt es ihm, so thut er seiner-seits dasselbe wie der erste; erhäscht er aber den Ball nicht, so läuft die ganze Gesellschaft aus-einander, bis der Ball von dem Betreffenden aufgenommen worden ist. Auf den Ruf „Stanto!"oder „Steht alle!" steht jeder still und jener sncht einen der Gesellschaft mit dem Balle zu werfen. DerGetrofsene wirft wieder einen andern u. s. f. Der erste, welcher hierbei einen Fehlwurf thut,hat das Spiel verloren und muß irgendeine Strafe leiden, über deren Natur man sich vorherverständigt hat, und welche gewöhnlich darin besteht, daß er sich von jedem der Mitspieler einmalmit dem Balle werfen lassen muß. Statt das Spiel mit dem Fangen des Balls zu beginnen,leitet man es wol auch auf verschiedene andere Weise ein. So z. B. wird für jeden der Spielen-den in Entfernungen von 6 zu 6 Zoll entweder in einer geraden Linie oder schachbretartignebeneinander eine Grube gegraben, in welcher der Ball bequem liegen kann. Diesen rollt einervon einer gewissen Entfernung her den Löchern zu, und derjenige, in dessen Grube er liegenbleibt, hat ihn zu erfassen, während die andern wie vorher auseinander laufen.
Viel Unterhaltung gewährt der sogenannte Treib- oder Sauball. Mau gräbt ein Loch