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Encyklopädie der Forstwissenschaft / von G.W. v. Wedekind
Entstehung
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Einleitung.

I.

Bedeutung der Wälder und Forste.

Wald" ist ein Wort von bekannter, sich selbst verstehender Bedeutung,desto schwerer kurz und bestimmt zu erklären, eine mit Bäumen oder Baum-pflanzen bewachsene Fläche von wenigstens mehreren Morgen. Unsere Wälderbestehen beinahe durchgängig aus sogenannten wilden Holzarten, welche sich weitmehr, als die obsttragcndcn oder zahmen, ja meistens nur allein, für Zweck undOrt der Wälder eignen. Waldboden ist die zu Wald bestimmte oder ihnbereits tragende Fläche; er ist.Blöße, so lang er keinen Bestand hat, undletzterer der Inbegriff der auf dem Boden stehenden Bäume in ihrer Art desZusammenstehens. Der Wald als begrenzter Gegenstand der Verwaltung unddes Schutzes wird Forst genannt, und dieser Ausdruck vorzugsweise auf diejeni-gen Waldungen bezogen, welche dem Landcsherrn oder Staate gehören oderGegenstand der Amtsthätigkeit seiner Forstbeamten sind, daher die für diesenZweck gebildeten Amtsbezirke insbesondereForst" heißen oder ihrer Bezeich-nung dieses Wort beigefügt wird.

Das hauptsächliche Erzengniß der Waldungen ist Holz, und dieses derHauptzweck ihrer Hege und Pflege, Holz daher dieHauptnutznng" der Wäl-der. Die außerdem vom Walde und seinem Boden hervorgebrachten Erzeugnissewerden sämmtlich unter dem NamenNebennutzungen" begriffen.

Der Nutzen der Wälder beschränkt sich aber nicht auf Befriedigung derBedürfnisse, für welche Holz und Nebennutzungen dienen. Die Bewaldung ge-währt überdicß vielfachen Nutzen von so sehr großer Wichtigkeit, daß auch darumdie Wälder Schonung und Pflege verdienen, und auch darauf bei ihrer Behand-lung Rücksicht genommen werden muß. Die Wälder bilden in ihrer Zusammen-setzung aus deir größten Pflanzcnorganismcn ein sehr wirksames und einflußrei-ches Glied iiN-Hanshalte der Natur; sie führen die fruchtbaren Stoffe (namentlichden Kohlenstoff) aus der Lust zurück zur Erde, bereiten und sammeln den Humus(die Dammcrdc), bereichern dagegen die Luft mit Sauerstoff und erfrischendenDünsten. Sie schirmen den Boden und. hemme» die Verflüchtigung seiner näh-renden Theile. Durch das Gewebe ihrer Wurzeln befestigen sie den.Boden,hindern so dessen Abschwemmen oder Abrutschen an Bcrgabhängcn; hierdurchund durch ihren Bestand schützen sie jm Hochgebirg die Flur vor Verschüttenmit Schnee und Steingerölle, während sie in der Ebene den Flugsand verhüten,abwehren, am sichersten zum Stehen bringen und ihm eine fruchtbare Boden-schichte verschaffen. Den Stürmen und der Heftigkeit der Winde stellen sieschützende Wände entgegen. Aus diesem Allein ist der Wälder wohlthätigerEinfluß, bei angemessener Ausdehnung und Vertheilung, auf größere Fruchtbar-Nene Eiicyklopävie. Band l. Nvo. I. 1