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Encyklopädie der Forstwissenschaft / von G.W. v. Wedekind
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Die Forstwissenschaft.

tcn sind, also das Bedürfniß mindern oder die Zustände veranlassen odersteigern, gegen welche der Wald dienen soll; z. B. hinsichtlich der Feuchtigkeit,des Schutzes vor Dürre bedürfen nördliche (kältere) Gegenden weniger Waldals südliche (wärmere), sandiger oder trockner oder minder Wasser haltenderBoden mehr Wald, als der bindende, thonige, die Gegenden in der Nähedes Meeres weniger Wald, als das Binnenland. Hinsichtlich des Schutzes vonStürmen und kalten Winden gilt mitunter das Umgekehrte; in dieser Hinsichtund in Hinsicht auf Erhaltung der Fruchtbarkeit haben unter sonst gleichenUmständen Gebirgsgegenden mehr Waldbcdürfniß, als die Ebenen u. s. f.Aber es kommt nicht bloß auf die Summe der Waldfläche, sondern auch undmehr noch auf deren örtliche Bcrtheilnng an. Wir können mit einer gerin-geren Waldfläche für denselben Grad allgemeinen Einflusses auslangen, wennsie sich an den Orten befindet, wo sie ihre Wirkung am meisten äußert, z. B.an den Küstensäumen, an den Usern reißender Ströme und Bäche, auf flugsan-digcm Boden, auf hohen Bergrücken und Gipfeln, an steilen Abhängen, an denOrten, wo sie. kalte oder ungesunde Lnstströme abhält, wo die Wälder diefruchtbare Erddecke erhalten, sie Schutz gegen Steingerölle, Lawinen rc. gewäh-ren u. s. f. eine Menge kritischer Punkte, wo, wie eine Betrachtung jeder Ge-gend uns leicht wahrnehmen läßt, die Erhaltung oder Wegnahme des Waldeshöhere Wichtigkeit hat, ja eine Lebensfrage für eine ganze Gemarkung, füreinen mehr oder minder großen Kreis der Waldwirkung ist. Folgen wir denBestimmungsgründen zweckmäßiger Waldvertheilung und suchen wir den Waldan jenen Orten zu ziehen und zu erhalten, so wird sich daraus in der Praxisauch die geeignetste Waldflächcnsumme untergeben.

2) Das Holz, das hauptsächlichste Erzeugniß, ist ein so allgemeines Lebens-bedürfniß, daß die Nation bei dessen Befriedigung nicht von der Zufuhr ausandern Ländern abhängig sein und dessen Preis keinen unvcrhältnißmäßig großenTheil des Einkommens der Einwohner wegnehmen darf. Die Behaglichkeit desLebens erfordert, daß die Holztheuerung nicht bis zu einem peinlichen Gradesteige, und das Gedeihen vieler, mittelbar beinahe aller Gewerbe, ist bedingtdurch Mäßigkeit des Holzpreises und Gemächlichkeit im Holzbezugc. Wenn auchder Waldbctrieb geringeren Arbeitsverdienst an sich darbietet, so gewährt erihn doch zu einer Zeit oder an Orten, wo andere Gelegenheit dazu (nament-lich in der Landwirthschaft) fehlt. Uebcrhanpt erklärt sich aus den Bedürfnissen,welche die Waldungen befriedigen, wie sie die menschliche Bevölkerung theilsbedingen, theils zu ihrer Vermehrung wesentlich beitragen. Die Berechnungder den Holzbedürfnissen des eigenen Landes entsprechenden Flächcnausdehnungder Waldungen erfordert drei Stufen der Untersuchung, zuerst die Ansmittelungdes Hvlzbedarfs <mit Rücksicht auf vorhandene Surrogate rc.), dann der Wegeseiner Befriedigung, endlich der Holzausbente, welche die vorhandenen Waldun-gen je nach den gestellten Prämissen liefern können. Außerdem gibt auch derStand der Holzpreise, sein Verhältniß zu dem Maximum, welches ohne Stö-rung der häuslichen Wirthschaft der Einwohner und des Gewerbbetriebs nichtüberschritten werden kann, im Vergleich mit den Ursachen des Fallens undSteigens, einen Anhaltpunkt zur Beantwortung der Frage, ob eine Vermehrungder Holzproduction, d. h. der Waldungen, öder deren Verminderung räthlichsei. Bei dieser Untersuchung kommt aber ebenfalls die örtliche Vertheilung derWaldungen sehr in Betracht, in Folge der Kosten des Transports.

3) Damit der Waldboden seine Wirkung äußere, muß er mit Wald be-standen sein und zwar in möglichst vollkommener, für die Zwecke von (1) und(2) wirksamer Weise. Es genügt daher nicht, daß die Forstwirthschaftspvlizei