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Zweiter Band.
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Kalkblau

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Kalk

Kohlensäure auö dem Kalkstein vertrieben und erwird in g e b r a n n t e n, lebendigen oder A e tz -kalk verwandelt und findet in dieser Form häufigeAnwendung in den Gewerben. Wegen seiner großenVerwandtschaft zur Kohlensäure dient er zur Zer-legung kohlensaurer Salze; mit Kieselerde verbindeter sich zu hydraulischem Mörtel und ist in Verbin-dung mit Kieselsäure ein Hauptbestandtheil des Gla-ses; ferner wird er als Düngungsmittel, zum Ent-haaren der Häute, bei der Seifenbereitung, beimBleichen, Färben, in Zuckerrafsinerien, zur Beför-derung der Verwesung rc. benutzt. Wenn er nichtstark und lange genug gebrannt worden, so daß ernoch einen Theil unzersetzten kohlensauren Kalk ent-hält, nennt man ihn ungahr; ist er aber zu starkgebrannt und er hat schon einen Grad von Schmel-zung oder Zusammensinterung erlitten, was beson-ders eintritt, wenn der Kalkstein Thonerde, Kiesel-erde oder Eisenoxyd enthält, so heißt er todtge-bra n n t. Den reinsten gebrannten Kalk erhält manaus weißem Marmor und aus gut ausgekochten undgereinigten Austerschalen. Eine vorzüglich reine undweiße Art gebrannter Kalk ist der Wiener Putz-oder Polirkalk, der theils in Fässern, theils inviereckigen verpichten Flaschen weit und breit ver-sendet wird, indem er das beste Polirmittel besondersfür Eisen und Stahl ist. Der in Fässern versendetewird zwar gewöhnlich auf den Brennereien nochganz warm eingepackt, aber bemohngeachtet zieht erleicht Feuchtigkeit aus der Luft an, zerfällt dann zuStaub und kann nur noch zum gewöhnlichen Putzen,nicht aber zum Polireu gebraucht werden. Wenndem gebrannten Kalk V» seines Gewichts Wassernach und nach zugesetzt wird, so zersällt er unterEntwickelung bedeutender Wärme und oft unterLeuchten im Dunkeln, wobei ein Theil des einge-sogeuen Wassers mit einem alkalischen Gerüche ver-dampft, zu einem weißen, lockeren voluminösenPulver, das man Kalkhydrat oder trocken ge-löschten Kalk nennt. Dasselbe enthält in völligtrockenem Zustande in 100 Theilen 75 Theile Cal-ciumoxyd und 25 Theile Wasser. Man benutzt eöhauptsächlich zu Kitten, besonders in Verbindungmit Käsemasse, und als Polirmittel, und kann eö ingut verstopften Gefäßen lange Zeit aufbewahren.Wenn der gebrannte Kalk längere Zeit der Luft aus-gesetzt ist, löscht er sich durch die Feuchtigkeit, die eraus derselben an sich zieht, auch selbst. Nimmt manzum Löschen eine größere Quantität Wasser, so ent-steht ein dicklicher weißer Brei, der beim Erkalten zueiner weichen Masse wird, welche zum Tünchen undals Mörtel beim Mauern Anwendung findet. Wirdsie noch mehr verdünnt, so entsteht die Kalkmilch,wendet man etwa 1000 Theile Wasser auf 1 TheilKalkhydrat an, so löst sich das letztere völlig auf unddie klare Flüssigkeit wird Kalkwasser, AquaCalcis, Aqua adstringens, genannt. Dieses wirdinnerlich und äußerlich in der Medizin, sowie auchbei verschiedenen Gewerben gebraucht; eö ist, vonreinem Kalk bereitet, wasserhell, hat einen scharfen,zusammenziehenden, alkalischen Geschmack und mußin wohlverstopfteu gläsernen Gefäßen aufbewahrtwerden. — Mehrere andere Verbindungen der Kalk-erde mit Säuren werden ebenfalls in der Medizinoder Technik gebraucht, weshalb wir sie in den nach-stehenden Artikeln aufführen.

Kalkblau, s. Berg blau. ' .

Kalk, chinasaurer, Calcariacbinica, istin der Chinarinde enthalten und setzt sich aus altem

Chinaextract als eine krystallinische Rinde ab, welchegereinigt ein farbloses Salz in Blättchen oder kleinenPrismen gibt, das aber noch keine Anwendung ge-funden hat.

Kalk, citronensaurer, Calcaria citricawird gewonnen aus 2 Theilen Kalk und 1 TheilCitroncnsäure, ist ein weißes Pulver, das sich nurin Sauerwasser löst und in der Medizin verwen-det wird.

Kalkerde, essigsaure, Ca1cariaaoeti6a,wird unrein bei der Bereitung des Holzessigs gewon-nen, außerdem indem man kohlensauren Kalk inEssigsäure auflöst und krystallisirt. Es sind weiße,seidcnglänzende Krystalle von schwach bitter salzigemGeschmack, die an der Lust trocken bleiben und sichin Wasser und Weingeist auflösen. Man braucht siezur Darstellung der reinen Essigsäure und mehrereressigsauren Salze, auch in den Färbereien und beider Photographie.

Kalk, slußsasurer, Calcaria fluoricas. Flußspath.

Kalk, hydraulischer, s. Cement.

Kalk, kohlensaurer, Calcaria carbo-nica, (s. Kall). Gereinigter kohlensaurerKalk ist ein geschmackloses schneeweißes Salz, dassich nicht in Wasser, aber leicht und unter Brausenin Säuren auflöst und das in chemischen Fabrikendurch Auflösen von weißem karrarischem Marmorund Fällen mit kohlensaurem Ammoniak bereitetwird. Von dem in der Natur vorkommenden, koh-lensauren Kalke hat man folgende Arten, die haupt-sächlich in der Medizin benutzt werden. Außer demweißen Marmor, marmor album, welcher der reinsteist: präparirte Austerschalen, Conobao praepa-ratae; präparirte Krebösteine, Lapides cancrorumpraeparati; präparirte, weiße Kreide, Crcta albapraeparata; rothe und weiße Korallen, Coralliumrubrum et album ; präcipitirter, kohlensaurer Kalk,Calcaria carbonica praecipitata, den man durchNiederschlagung aus einer Lösung von salzsaureMKalk durch kohlensaures Kali erhält. Der doppeltkoblensaure Kalk, Calcaria bicarbonica, ist nur inwässeriger Auflösung vorhanden, als Cararawasser;der cararische Marmor wird in kohlensaurem Wassergelöst, und bildet dann das Kalkbikarbonat.

Kalk, phosphorsaurer, Calcaria pkos-phorica, subphosphas calcicus. Die Kalk-erde kommt in verschiedenen Verhältnissen in derNatur mit der Phosphorsäure verbunden vor: imMineralreiche, in Gewässern, in Pflanzen, in Kno-chen. Künstlich wird er dargestellt durch Glühen derKnochenkohle mit Kohlen, bis die Masse weiß gewor-den ist, oder auf nassem Wege, indem man einerverdünnten Lösung von Chlorcalcium so viel voneiner Lösung von phosphorsaurem Natron zusetzt, biskeine Trübung mehr erfolgt. Es wird decantirt,ausgewaschen, getrocknet. Der Niederschlag ist einweißes, fein krystallinisches Pulver, ohne Geruchund Geschmack, das in der Medizin verwendet wird-

Kalk, salpctersaurer, Calcaria nitrica.Er kommt besonders in heißen Ländern natürlich alsAuswitterung auö der Erde vor; auch in einigenQuellwassern. Künstlich wird er bereitet, indemman das Kalkkarbonat durch Salpetersäure zerlegt.Es bilden sich lange regelmäßige, 6 seitige Säulen,die an der Luft zerfließen, bitter, scharfjalzig, un-angenehm schmecken, in Wasser und Weingeist lös-lich sind und in der Medizin Anwendung finden.

Kalk, salzsaurer oder Chlorcalcium,