Band 
Zweiter Band.
Seite
71
JPEG-Download
 

Krcbssteme 71 Kredit

versenden, besonders wenn man nicht zu viel inernen Korb thut, frisches Gras, Brennesseln oderzerriebenes Brod und etwas Mnskateunuß dazwi-schen streut. Sie sind jedoch meist nur GegenstanddeÄ Markthandels.— Von den Hummern oderSeekrebsen gibt es ebenfalls mehrere Arten, vondenen jedoch nur ^lstaous marimi8 oder gammarusoper Cancer gammarus gegessen wird. Dieser ist anFarbe und Gestalt dem Flußkrebse sehr ähnlich, auchwird er durch das Kochen roth; nur ist er viel größerund hat eine lange und eine kurze ovale Scheere.Gewöhnlich ist er 6—8 Zoll, oft aber 1 Fuß unddarüber lang und erreicht zuweilen eine Länge bis6 Fuß und ein Gewicht von 12 Pfd. Er lebt inallen europäischen Meeren, besonders auf felsigemBoden in tiefen Steinritzeu, und wird als eine De-Ucatesse weit verführt, obgleich sein Fleisch ziemlichhart und schwer verdaulich ist. Die meisten undbesten fängt man bei Norwegen, woher sie in eigenenHummerschiffen mit doppeltem durchlöchertem Bodenbesonders nach London, Amsterdam und Hamburggeholt werden. Zu Lande werden sie nur abgesottenversendet, müssen aber vor dem Genuß noch einmalgahr gekocht werden. In Deutschland sind sie nochnicht so beliebt, als in Frankreich und England- —Die unter dem Namen Krabben an den Küstender Ostsee, besonders bei Wismar, Rostock rc. ingroßer Menge gefangenen kleinen Seekrebse sind inder Form ebenfalls den Flußkrebsen ähnlich, abernur 1—iy 3 Zoll lang und die Füße endigen sich an-statt der Klauen in eine Art Flossen. Sie haben eineganz dünne Schale und sind sehr wohlschmeckend,können auch abgesotten versendet werden und kom-men daher jetzt zuweilen ebenfalls in die Städte desinneren nördlichen Deutschlands.

Krebssteine oder Krebsaugen, Lapidesoder Oculi Cancrorum, sind kleine, scheiben-förmige harte Körper von weißer oder blaßröthlicherFarbe, auf der einen Seite in der Mitte etwas er-haben , auf der anderen etwas eingedrückt, die sichim August zur Zeit des Schalenwechselns zu beidenSeiten des Magens der Flußkrebse finden. Sie be-stehen aus 13 Theilen kohlensaurem Kalk und 2 Thei-len Gallerte und werden gepulvert zuweilen in derMedizin als säuretilgendes Mittel gebraucht, wer-den jedoch durch geschlämmte Kreide, gebrannte Eierund Austerschalen ersetzt. Auch werden sie zuweilenaus Kreide'oder Pfeifenthon nachgeahmt, die manaußer an der größeren Schwere auch daran erkennt,daß sie an der Zunge kleben, im Wasser zerfallenund im Innern nicht das blätterige Gefüge derächten haben. Die Krebssteine werden in Quan-titäten besonders in Rußland gesammelt und meistvon Astrachan aus versendet. Man zerstampft da-selbst die Krebse, läßt sie faulen und zerrührt siedann in Wasser, wobei die Steine zurückbleiben.

Krebswurzel, s. Natterwurzel.

, Kredit ist die Meinung, die man von der Zah-lungsfähigkeit und der Nechtschaffenheit eines An-deren, besonders eines Kauf- oder Geschäftsmannesbat. Er gründet sich auf die öffentliche Meinungvon dem Vermögen, welches Jemand besitzt, undvon seinem guten Willen, seinen Verbindlichkeitenpünktlich nachzukommen. Ohne Kredit ist kein Han-del von einiger Bedeutung denkbar und er ist ebensolehr dem Handel im Allgemeinen, qls jedem emzel-Uen Kaufmanne unentbehrlich, dem unbemitteltenNatürlich am meisten; aber auch der reiche würde°viie denselben genöthigt sein, seine Unternehmungen

nur aus die Grenzen seines Vermögens zu beschrän-ken und sich alle Gelegenheiten, sie weiter auszudeh-nen, entgehen zu lasten. Es muß daher jedem Ge-schäftsmanne am meisten an der Aufrcchthaltungseines Kredits gelegen sein, und dazu ist nöthig, daßer seine Verbindlichkeiten stets pünktlich erfüllt, beiallen seinen Handlungen Aufrichtigkeit und Recht-schaffenheit an den Tag legt, sich nicht in zu gewagteund für seine Vermögensverhältnisie zu bedeutendeUnternehmungen und Spekulationen einläßt, dieWaaren, mit denen er handelt, nicht ohne Noth ver-schleudert und keinen größeren Aufwand macht, alsder Gewinn, den sein Geschäft abwirft, erlaubt. DerKaufmann muß aber auch vorsichtig im Kredit-geben oder Creditiren sein, denn wenn er diesnicht ist, kann er, wenn auch alle seine Unterneh-mungen vom Glück begünstigt werden, doch leichtden Nutzen, den sie ihm bringen, und noch mehrdurch schlechte Schuldner wieder verlieren, und dasleichtsinnige Creditiren kann daher seinem eigenenKredit ebenso sehr schaden, als thörichte Spekula-tionen und übermäßiger Aufwand. Der Kredit, dender Kaufmann gibt, ist ohnehin an sich schon vielgewagter als der gewöhnliche, denn bei jenem stelltder Schuldner für die ihm anvertraute Summe nichteinmal ein Dokument aus, durch welches er denEmpfang derselben bekennt und die Zurückzahlungzu einern gewissen Termine verspricht. Uebrrgens istder Gewinn des Gläubigers in den meisten Fällenim Verhältnisse zu der Größe der Summen so un-bedeutend, daß durch eine einzige verloren gegan-gene Forderung der Gewinn an vielen anderen Ge-schäften aufgezehrt wird, während es meist nichtleicht ist, sich vor solchen Verlusten zu hüten, da derKreditgebende nicht immer Gelegenheit hat, sich vonden veränderten Vermögensverhältnissen seiner Ge-schäftsfreunde zu unterrichten und in vielen Geschäf-ten die große Concurrenz den Verkäufer nur zuleicht verleitet, in seiner Vorsicht nachzulassen, umnur Absatz zu machen. Ehe sich daher ein Kaufmannentschließt, Jemandem, mit dem er noch nicht inVerbindung steht, Kredit zu geben, wird er sichimmer nröglichst genau nach seinen Vermögensum-ständen und nach seiner Rechtlichkeit oder Soliditäterkundigen, was gewöhnlich durch Anfragen beieinem oder mehreren Geschäftsfreunden am Wohn-orte des Kreditsnchenden geschieht. Im Waaren-geschäft ist es besonders Sache des Reisenden, wenndas Haus einen solchen hält, sich an jedem fremdenOrte, den er besucht, nach den Umständen und derSolidität der dasigen Geschäftsfreunde seines Hauseszu erkundigen und diesem genauen Bericht zu er-statten, wenn er etwas Nachtheiliges über sie erfährt,auch nöthigenfalls selbst sogleich Schritte zu thun, umdie Forderung, die sein Haus an einen schlecht ge-wordenen Schuldner hat, zu retten. Noch mehr alsder Waarenhändler wagt der Bankier beim Kredit-geben , denn die Summen, die er creditirt, sind inder Regel bedeutender und sein Gewinn, der in derHauptsache nur in seiner Provision von ca. 1 /s°/obesteht, ist verhältnißmäßig viel geringer, als derdes Waarenhändlers. Auch besteht er gewöhnlichnicht allein in den Summen, die er seinem Schuld-ner durch Zahlungen anvertraut, sondern auch nochdarin, daß er die Tratten desselben acceptirt, ohneDeckung von ihm in Händen zu haben und nur indem Vertrauen, daß er ihm diese bis zum Verfallder Tratten zukommen lassen wird. Man nennt die-sen Kredit eines Bankiers Blancokredit oder